#nichts

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#nichts | story.one

Was war da bloß in mich gefahren, als ich vorschlug, einen Artikel über "Nichtstun" für die neue Ausgabe meiner Lieblingsstraßenzeitung beizusteuern? Ich bin doch denkbar ungeeignet dafür!

Ja, das Thema ist wirklich aus psychologischer Sicht interessant und spannend. Soll "Niksen", wie dieser Trend aus den Niederlanden heißt, doch der psychischen Gesundheit zuträglich sein. Auch von Burnout-Prävention wird in diesem Zusammenhang geschrieben.

Also gut, dann probier ich sie mal aus, die "Kunst des Nichtstuns". Ich will ja schließlich wissen, worüber ich schreibe. Equipment braucht man keins dazu. Nur "einfach" nichts tun, that's it.

Im Wartezimmer des Zahnarztes starte ich gleich am nächsten Morgen meine "Karriere". Anstatt durch Zeitungen und Zeitschriften zu blättern oder das Smartphone zu checken, blicke ich mich um. Schaue mir die anderen Wartenden von Kopf bis Fuß an, finde die Birkenstamm-Garderobe cool und ... langweile mich. Dabei sind es nur ein paar Minuten, bis ich aufgerufen werde. Schon irgendwie bedenklich.

Ich lese, dass ich mit meinem unguten Gefühl nicht allein bin. Im Rahmen einer Studie mussten Versuchspersonen fünfzehn Minuten lang auf einem Sessel in einem Raum ohne Ablenkung verbringen. Das einzige, was sie tun konnten, war, sich einen Elektroschock zu verpassen. Das taten dann einige von ihnen tatsächlich. Wäre ich auch in dieser Gruppe?

Ich bin ja eher der entspannungsunwillige (oder -fähige?) Typ. Immer hab ich irgendwas zu tun. Wenn ich mal sitze, lese ich. Wenn ich mal liege, dann für einen kurzen Powernap oder für bewusste fünf Sekunden, die ich benötige um abends einzuschlafen.

Meine "Meditation" ist das Kraulen im Schwimmbad. Nichts entspannt mich so sehr wie diese monotonen Bewegungen. Artikel über "Hygge", "Lagom" oder Meditation im Allgemeinen überblättere ich immer. Dieses Niksen hat mich allerdings interessiert, weil man nichts dafür braucht und auch nicht "an nichts denken" soll. Die Gedanken können kommen und gehen.

Mein nächster Selbstversuch findet daheim am Balkon statt. In den Himmel starren. Nach fünf Minuten gebe ich völlig fertig auf. Einen Tag später im Bett schaffe ich zehn - hier bin ich aber bereits bis "zum Äußersten" gegangen!

Nach einem weiteren Versuch auf einer Parkbank, bei dem mir rund 50 Vögel auf einem Baum die Zeit vertreiben, schreibe ich den Text.

Er kommt in die März-Ausgabe der Zeitung, deren Straßenverkauf Mitte des Monats coronabedingt eingestellt wird und die Verkäuferinnen und Verkäufer zum Nichtstun zwingt. Wie passend - traurigerweise.

© Eva Daspelgruber