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#termine

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#termine | story.one

Ich kann es kaum fassen: Ich habe Termine eingetragen! Ter-mi-ne! Dabei war mein geliebtes Bullet Journal schon dabei, komplett zu verstauben. Schön schaut sie aus, die Seite vom Mai. Im April blieb ja - bis auf ein paar Uni-Online-Meetings - alles weiß. Nächste Woche werde ich also wieder Menschen in meiner extrem schwierigen Muttersprache unterrichten. Vertretungsweise, weil eine Kollegin erkrankt ist. Aber ab Juni startet mein eigener Kurs - wenn alles gut geht.

Woche 9 der Ausnahmezeit ist nun vorbei. Hätte mir jemand erzählt, dass ich eine ganze Sommerferienlänge mit meinen Kindern fast ohne persönliche Kontakte zu Hause verbringen würde, wäre diese Person garantiert von mir für verrückt erklärt worden.

Gleich zu Beginn dieser Woche habe ich meinen Kindern erklärt, dass ich nicht mehr kochen will. Acht Wochen waren genug. Bis auf unsere wöchentlichen Abholung beim Pizza-Stand unseres Vertrauens haben dann tatsächlich meine Großen die Mittagsverköstigung übernommen. Und ich durfte mich zum gedeckten Tisch setzen. Sehr genial! Die Kleine und ich haben zweimal für Nachspeise gesorgt und dafür Schüttelkuchen und Kladdkaka gebacken.

An einem kuchenlosen Tag meinte das Kind entrüstet zu mir, sie braucht dringend eine Nachspeise, jetzt und sofort, weil sie "Untersüßigkeit" hat. Ganz verwundert sah sie uns an, als wir alle loslachten. "Unterzucker" hatte sie einmal aufgeschnappt und unabsichtlich abgewandelt.

Nächste Woche beginnt die Schule wieder. Die echte. Da sie der zweiten Gruppe zugeteilt wurde, besteht ihre erste Schulwoche aus vier Stunden am Freitag. Dort muss sie dann wieder "sie selbst" sein.

Hier rast sie nämlich morgens um neun auf ihrem Bobby-Car mit wechselnden Identitäten an. An den ersten beiden Tagen war sie eine Rennfahrerin namens "Skyler", ab Mittwoch dann eine Halb-Vampirin. Sonntags tauschen wir die Plätze und Rollen und sie unterrichtet mich - "Sümetri" stand heute unter anderem auf ihrer vorbereiteten Liste, die sie Punkt für Punkt abhakte.

Eine besondere Erinnerung an diese Zeit hat mein Mädel durch das Tagebuch, das ihr die Lehrerin am letzten Schultag eingepackt hat. Neben dem Aufschreiben der täglichen Übungen aus dem Lernpackerl ist Platz für einen Satz, der den Tag beschreibt - ergänzt durch eine Zeichnung. Wir starten unseren zweistündigen "Schultag" immer mit diesem Eintrag - nach drei Partien Uno. Für mich ist spannend, was sie vom Vortag auswählt, was für sie am Wichtigsten erscheint. "Ich habe mit meiner Mama einen Blumenstrauß gepflückt", steht da. Und: "Ich habe Tomatensoße gekocht.", "Ich war mit meinem Piratenschiff in der Badewanne.", "Ich habe mit meiner Mama im Regen Playmobil gespielt." Und immer ein Bild dazu. Was morgen drinstehen wird, weiß ich schon, denn das Mädel sitzt seit knapp einer Stunde in der mit grünem Schleim gefüllten Badewanne.

Eine schöne Erinnerung an eine besondere Zeit, dieses violette Heft, in dem nur noch sieben Seiten leer sind.

© Eva Daspelgruber 17.05.2020

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