Clownige Erinnerung

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Rote Nasen waren für mich stets besetzt mit zu viel Alkoholkonsum oder mit Rudolf, the red nose Rentier. Bis zu jenem Tag als mein Lieblingssohn im Volksschulalter eine Nacht im Krankenhaus verbringen musste. Er wollte nicht alleine bleiben, also wich ich nicht von seiner Seite.

Im uns zugeteilten Krankenzimmer lag ein etwa gleichaltriger Bub. Obwohl wir bereits morgens eincheckten, bekam dieses Kind den ganzen Tag über keinen Besuch. Mein Freundeskreis attestiert mir gerne einen Kümmerer-Komplex. Und um diesen nicht Lügen zu strafen, tat mir der Kleine augenblicklich unendlich leid. Ich versuchte, ihn in unser familiäres Geplänkel miteinzubeziehen. Bedingt gelang mir das auch. Mehr als ein zaghaftes Lächeln konnten wir ihm jedoch nicht entlocken.

Plötzlich öffnete sich die Türe zum Krankenzimmer. Zwei Personen mit roten Nasen, die eindeutig weder zu tief ins Glas geschaut hatten, noch eine Ähnlichkeit mit dem berühmtesten Rudi aller Zeiten aufwiesen, traten ein.

Als der kleine Kerl im Nachbarbett die Beiden erblickte, ging ein Strahlen über sein Gesicht, das ich heute noch vor mir sehe. Sie setzten sich zu ihm ans Bett und trieben ihre Scherze mit ihm, um im nächsten Augenblick mit ihren viel zu großen Schuhen durch das Zimmer zu albern, sodass das glucksende Lachen des Jungen bald den ganzen Raum erfüllte. Auch mein Sohn, den sie liebevoll in ihre Performance miteinbezogen, amüsierte sich über die Späße der zwei rotnasigen Clowns.

Als ich sah, was diese Aktion bewirkt, nahm ich mir vor, öfters für diese Vereinigung Geld zu spenden.

In etwa zu dieser Zeit entstand auch der Kinofilm „Patch Adams“ mit Robin Williams in der Titelrolle. Ich habe ihn mittlerweile öfters gesehen. Und immer noch berührt mich dieser Streifen. Die Geschichte des 1945 in Washington geborenen Arztes Patch Adams, dessen Leben als Vorbild für diesen Film diente und der Internet-Berichten zufolge heute noch eine Gruppe von freiwilligen Clowns aus der ganzen Welt organisiert, die nach Russland reist, um Waisen und Kranken Hoffnung zu geben.

Was es auslöst, einfach nur gute Laune ans Krankenbett zu bringen! Medienberichten zufolge war die Clowndoktorei ähnlich wie im Film auch in dem Spital in dem mein Sohn damals lag zur Zeit ihrer Einführung vor rund 25 Jahren keineswegs ganz unumstritten.

Die eben zu Papier gebrachte clownige Erinnerung motiviert mich jedenfalls dazu, endlich wieder einen entsprechenden Erlagschein auszufüllen. Was ich immer sage, Schreiben hilft…

© Eva Flehschurz 16.09.2020