Auf einmal sprechen alle Deutsch!

Bei mir in der Familie sind alle an einem 26. geboren. Alle außer mir. Mein Vater am 26. April, meine Mutter am 26. September, meine Schwester am 26. Mai, ja sogar mein Ehemann am 26. Juni. Nur ich bin mit dem 28. März die große Ausnahme. Erst meine Tochter hat den Bann gebrochen. Sie erblickte am 23. August das Licht der Welt, das fühlte sich endlich harmonisch mit meinem eigenen Geburtsdatum an: Sie am 23.8., ich am 28.3. Nicht schlecht, oder? Interessant ist hieran noch ein weiteres Faktum: Ich hatte gemeinsam mit meinem Mann beschlossen, dass das Kind, falls es ein Mädchen würde, als dritten Namen den meiner geliebten, damals längst verstorbenen Großmutter tragen sollte. Nun fand ich während meiner Schwangerschaft rein zufällig heraus, dass meine Oma am 23. August Namenstag hatte (Rosa von Lima). Da das errechnete Geburtsdatum meines Kindes ganz nahe an dem Datum lag, war ich mir von dem Zeitpunkt an sicher, meine Tochter würde genau an dem Tag zur Welt kommen. Ich fühlte, dass es so sein würde, und so war es dann auch!

Meine Tochter war schon als Kleinkind sehr originell und brachte uns oft zum Lachen:

Ihr erstes Wort war “Mama”, aber sie meinte damit sowohl mich als auch ihren Vater. Später nannte sie ihn dann schlichtweg beim Vornamen. Wenn sie im Kindergarten von mir erzählte, sprach sie von „Mama Evelyn“, und die Kindergärtnerinnen fragten sich spaßhalber, wie viele Mütter das Kind wohl haben mochte.

Als wir ihre zu klein gewordenen Kleidungsstücke aussortiert hatten und der brauchbare Teil davon für ihren zwei Jahre jüngeren Cousin versandbereit war, wollte sie ihre Bodys und T-Shirts ganz "professionell" per Fax verschicken.

Nach dem Tod meines Vaters wunderte sich das damals vierjährige Kind, warum ihr Opa denn all seine Sachen dagelassen habe, als er “himmelwärts” zog. Sogar bei diesem traurigen Anlass vermochte sie es, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Die Episode aber, die mich am meisten zum Lachen brachte, war wohl die mit ihrem Radio: In Verbindung mit dem Kauf einer Sonnencreme hatte sie hier in Italien, wo wir leben, als Werbegeschenk ein kleines Radio bekommen, das sie von dem Augenblick an nicht mehr aus den Händen ließ. Sie nahm es überallhin mit, auch nach Österreich zur Oma. Dort kam sie dann plötzlich ganz aufgeregt in die Küche, und mit weit aufgerissenen, überraschten Kinderaugen sprudelte sie hervor: “Mama, du wirst es nicht glauben, aber in meinem Radio sprechen jetzt auf einmal alle Deutsch!”

© Evelyn M. Cambareri-Rachbauer