Märzgeburtstage

(eine außergewöhnliche Freundschaftsgeschichte)

Heute möchte ich eine Geschichte erzählen, die Unglaubliches an sich hat. Es war am 28. März 2007, meinem 40. Geburtstag, als es sich ergab, dass ich ihn im Altersheim feierte. „Um mich jünger zu fühlen“, wie ich spaßhalber zu sagen pflegte. Ich ging damals ab und zu ehrenamtlich ins Altersheim, um Akkordeon zu spielen und mit den Heimbewohnerinnen Musik zu machen. Der Zufall wollte es, dass ich wie gesagt zu meinem 40. Geburtstag dort war, gerade als alle Märzgeborenen gefeiert wurden. Irgendwie musste wohl etwas über meinen besonderen Tag durchgesickert sein, denn Antonietta, eine äußerst liebenswürdige 94-Jährige, überreichte mir zu meiner großen Überraschung einen Blumenstrauß und gratulierte mir. Auch sie selbst wurde gefeiert, denn ihr Geburtstag war am 6. desselben Monats. Ebenfalls im März geboren, nämlich am 30., war Claudia, die freundliche junge Betreuerin, die ich bei der Gelegenheit kennen lernte und mit der ich prompt Freundschaft schloss.

Wenige Monate später verließ Claudia ihre Arbeitsstelle, während ich weiterhin in regelmäßigen Abständen meinen ehrenamtlichen Dienst dort verrichtete. Antonietta freute sich jedes Mal besonders, wenn ich kam. In späteren Jahren saß sie im Rollstuhl, doch sie breitete stets ihre Arme weit aus, sobald ich auftauchte. Es war eine wunderschöne, außergewöhnliche Freundschaft zwischen uns entstanden. Claudia hatte ebenfalls einen besonderen Platz in ihrem Herzen eingenommen, auch wenn sie nicht mehr dort arbeitete und Antonietta auch die anderen Betreuer schätzte.

Immer wieder malte ich mir in Gedanken aus, eines Tages ihren 100. Geburtstag zu feiern, doch vom Tag ihres 99. Geburtstages an, also dem 6. März 2012, ging es leider auf einmal rapide abwärts mit ihren Kräften.

Sie starb ausgerechnet am 28. März, meinem Geburtstag. Und am 30. März, dem Geburtstag Claudias, wurde sie begraben. Ich durfte den Trauerzug anführen, indem ich das Kreuz trug. Dies hatte sich durch Zufall oder Fügung so ergeben. Ich fühlte mich ihrer Seele sehr verbunden, es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, sie in dieser Weise auf ihrem letzten Weg auf Erden zu begleiten.

Claudia war nicht auf der Beerdigung, aber ich begegnete ihr noch am Abend desselben Tages bei einer Veranstaltung. Ich gratulierte ihr zum Geburtstag und ergriff die Gelegenheit, ihr vom Tod Antoniettas zu berichten. Betroffen sah sie mich an, und uns beiden war es, als fühlten wir sie für den Bruchteil eines Augenblickes mitten unter uns.

© Evelyn M. Cambareri-Rachbauer