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#reiseabenteuer

Affenliebe

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Affenliebe | story.one

Dieses Mal ist es ein deutsches Bundeswehrflugzeug, das Hilfsgüter in den Congo bringt. Wieder bin ich „Geldbriefträger“ (s. meine Geschichte „Dankbar“) für unser Entwicklungshilfe-Projekt in Bukavu. Ich habe mir die Sondererlaubnis geholt meinen Sohn, der zu dieser Zeit 11 Jahre ist, mitzunehmen. Er darf auf dem jump seat im Cockpit sitzen und ist mächtig stolz. Wir werden das Gorilla-Projekt besichtigen und ich hoffe, dass wir eine Wanderung dorthin organisieren können. Wieder mal liege ich auf Bohnensäcken und döse bis zur Landung. Trotz der gespannten Lage wegen der Hutu Flüchtlinge, die in annähernd 100 Tagen etwa 75 Prozent der in Ruanda lebendenTutsi-Minderheit töteten und jetzt in den Congo geflüchtet waren, freue ich mich auf den Trip.Wir landen zuerst in Goma, dann geht es weiter nach Bukavu. Die Schweiz Afrikas wird diese wunderschöne Gegend genannt, wo sich wilde Berglandschaften, dichte Wälder und Seen abwechseln. Jetzt sieht es hier schlimm aus. Fast 400 000 Hutu Flüchtlinge haben Wälder für Feuerholz zerstört, und auch der Gorilla Population geht es an den Kragen. Sie müssen höher in die Berge hinauf, um den Menschen zu entfliehen, die ihren Lebensraum bedrohen und sie auch wildern. Tausende waren es, heute im Jahr 2020 etwa 200.

Frühmorgens brechen wir auf. Unser Führer Nzinga des Kahuzie-Biega Nationalparks macht uns nicht viel Hoffnung. Die Gorillas sind sehr scheu geworden und ziehen sich oft zurück, wenn sie Menschen wittern. Ein Nieselregen und dichte Nebelschwaden erschweren den Aufstieg durch den dichten Regenwald. Stundenlang steigen wir leicht bergan. Plötzlich bleibt Nzinga stehen und hebt die Hand. „Hier haben sie geschlafen“, flüstert er, und zeigt auf niedergetretene Büsche. „Sie sind nicht weit und bitte keinen Augenkontakt mit einem Silberrücken!“

Ein lautes Knacken über uns: Da sind sie! Nzinga gibt Zeichen in die Hocke zu gehen. Als Erstes taucht eine Mutter mit einem Kleinen auf. Weitere folgen. Herzklopfend sehe ich, wie sich mir ein kleines Gorillakind nähert und mich vorsichtig an der Hand berührt. Sofort wird es von der Mutter zurückgezogen und bekommt einen sehr menschlichen Klaps.

Und da ist er: der Silberrücken! Ein mächtiges Tier kommt auf allen Vieren direkt in unsere Mitte. Er betrachtet uns prüfend, setzt sich hin und beginnt mit feinen Fingern Bambusrispen vom Stil zu entfernen und sich in den Mund zu stecken. Die Familie macht es ihm nach, sie stören sich nicht an unserer Anwesenheit. Diese zarten Bewegungen hätte ich diesen riesigen Tieren nie zugeordnet. Lange beobachten wir diese faszinierenden Wesen.

Wir sind bis auf die Haut nass. Nzinga drängt zum Aufbruch, es dämmert schon. Als wir aufstehen, verschwindet auch der Silberrücken im Gebüsch und seine Familie folgt. Der Abstieg ist leichter. Wir sind still und noch ganz benommen von diesem Erlebnis.

Später im Hotel liege ich in meinem warmen Bett und träume, wie ich die Welt verbessern könnte.

© Evelyn Weyhe 2020-11-21

Reisen

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