Bananenstauden-Reha-Klinik

Der Paul und ich, wir haben eine Reha-Klinik. Wir päppeln dort Pflanzen auf. Unser neuester Patient ist eine Bananenstaude aus dem Bauhaus. Mittlerweile hat sie 5 neue Blätter, saftig und grün und wunderbar. Als wir sie im Bauhaus fanden, haben wir sie für 10 Euro Sonderpreis erstanden. Konkret war es so, dass ich sie angeschleppt hab, während der Paul in der Schraubenabteilung war. Der Paul hat dann ein Gesicht gemacht, das irgendwo zwischen "ernsthaft?" und "ich liebe dich dafür" lag. Wir haben die Bananenstaude dann in unserem Auto heim gebracht, sie umgetopft und nun steht sie, zusammen mit vielen anderen Pflanzen, in unserer Pflanzen-Aufpäppel-Station, so nennen wir das Zimmer. Langzeitgast dort ist ein Weihnachtsstern, den wir schon seit Jahren haben. Wir haben viel über Weihnachtssterne gelesen - dass man sie in dunkle Keller sperren müsse, um rote Blätter zu erhalten. Orchideen, die man tauchen müsse, damit sie gedeihen. Es stehen dann noch ein paar Topfpflanzen herum, die den einen oder anderen Umzug fast nicht überlebt hätten. Die mussten wir neulich auch umtopfen, in eine größere Heimat. Was soll ich sagen. Wir haben den Weihnachtsstern nicht in den Keller gestellt. Wir haben auch die Orchideen nicht getaucht. All unsere Pflanzen werden einer ganz eigenen Kur unterzogen, magisch, hochkomplex, ganz unserer Eigenart entsprechend: wir lassen sie in Ruhe gedeihen. Und wie sie das tun. Die Orchideen gehen mittlerweile in die oft schon 6. Blührunde, die Bananenstaude hat mittlerweile ihre Blätter weit aufgefächert, und die anderen.. Sie dürfen einfach sein. Manchmal denke ich, wie das bei den Menschen so wär. Wenn wir kleine Kinder einfach sein ließen. Wenn wir Menschen nicht wegwerfen würfen, oftmals, Beziehungen nicht in den Abfall, sondern in die Aufpäppel-Station. Wenn wir uns immer wieder vor Augen führten, dass Menschen ebenso blühen möchten wie Pflanzen, die Sonne, die Welt. Und eigentlich gar nicht viel dazu brauchen - Wärme. Licht. Zuspruch (ich muss zugeben, ich rede manchmal mit den Pflanzen). Nahrung. Entfaltungsmöglichkeit. Würden wir dann nicht alle unsere Blätter in Richtung der Sonne ausstrecken? Würden wir nicht einen Weg finden, zu wachsen, ganz gleich, wie die Bedingungen sind? Eine unserer Orchideen hat zum Beispiel ihre Wuchsrichtung geändert, weil neben ihr eine andere gerade aufgeblüht ist. Sie tat es ohne Genfer Konvention. Ohne Diplomaten. Ohne Konfliktmanagement. Ja und neulich...Neulich ging unser Sohn schlafen. Er tapste nochmal aus dem Bett, hatte etwas vergessen. "Gute Nacht, ihr Pflanzen... Mami... was träumen die eigentlich? Vom Wachsen oder?" Du große Seele.

© Fanni Kumlein