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alles bleibt anders

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alles bleibt anders | story.one

Für mich ist plötzlich wirklich alles anders. Ich in Halbpension, weil sie so klein ist, muss ja weiterhin Geomantische, architektonische und Kunst-Projekte akquirieren und durchführen um zu überleben. Da aber eine Anmeldung bei der Kammer zu teuer kommt, habe ich auch jetzt keinen Anspruch auf irgendeine Unterstützung. Ich kann tatsächlich jetzt nichts machen, denn unsere Wohnung ist nicht nur zum Homeoffice für meine Frau geworden, sondern auch ein Ort für Videotrainings. Und die dauern den ganzen Tag. Und in Wahrheit muss ich dafür wirklich dankbar sein, dass meine Frau durch diese Möglichkeit ihre Arbeit nicht verloren hat. Sie kann die Trainings also von zu Hause aus mit Video Unterstützung durchführen. Toll was die Technik alles zustande bringt. Sie unterrichtet bis zu 20 Teilnehmer und ich höre sie den ganzen Tag, außer in den Pausen, Stoff erklären und darlegen. Die TeilnehmerInnen kann ich zwar nicht hören, da sie Kopfhörer trägt. Allerdings sollte ich nicht zu laute Tätigkeiten ausführen, da das zu hören wäre. Dafür hat sie sich einen künstlichen Hintergrund eingespielt, sodass niemand mein Hin und Hergehen in der Wohnung sehen kann. Auf einmal ist unsere Wohnung ein Vortragsraum!

Ja was macht man da? Wenn man gewohnt ist am Zeichentisch zu planen, zu zeichnen oder Modelle zu bauen. Natürlich kann ich mich nun mit meiner neuen Kamera spielen, die wie man weiß, viel mehr kann als man je lernen könnte, aber das ist für einen kreativen Geist zu wenig Abwechslung. Ganz zu schweigen, von der Tatsache, dass die kleinen Aufträge die noch am Laufen sind, jetzt ruhen müssen und nicht vorangetrieben werden können.

Ich koche daher, so wie sonst auch für uns, gehe Einkaufen, und kümmere mich soweit es keinen Lärm macht um die Wohnung, dass ich langsam zu einer Hausfrau mutiere. Und das ist keine Kritik an meiner Frau, die macht trotz ihres total Eingebunden-seins viel fürs Zusammenleben! Sondern soll nur verbildlichen, wie sich das „alles bleibt anders“ anfühlt.

Und dann kann ich natürlich hinaus in den Wald gehen, was ich auch täglich tue, nur auch das ist zeitlich begrenzt, da ja die vermehrten Hausagenden ihr Diktat der Termine genüsslich ausleben.

Dann aber, und das ist wirklich grenzgenial, hat meine Frau zu Ostern die verstreute Familie zu einer Videozusammenkunft zusammengebracht. Wenn auch nicht alle Zeit hatten, so war das alle auf einem Bildschirm einander sehen, miteinander quatschen, scherzen und sich mitteilen zu können eine herausragende Fähigkeit der von mir des Öfteren sehr kritisierten Cybermöglichkeiten. Und es kommt das Lachen, ja manche kleine Träne des Glücks und der Zuneigung zurück ins montane Leben, wärmt und lässt hoffen. Das Besondere dabei war auch, dass meine Frau mit ihrer Schwester so viel besprochen hat, wie ich sie noch nie von Angesicht zu Angesicht hab reden gehört. Und das ist auch Wunderbar.

Alles bleibt anders.

© feuervogl 18.04.2020

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