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Mein erstes Haus

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Mein erstes Haus | story.one

Leider konnte ich darin nie wohnen, denn es war das erste Projekt meines eigenen Architekturbüros. Die Ausgangslage war einerseits wunderbar durch die umgebende Lobau und dem unverbauten Ausblick nur auf Wiesen, andererseits stand ein Nachbar an der Südseite gekoppelt, sodass wir von dort kaum Licht bekommen konnten. Laut Bauordnung waren wir nun auch verpflichtet mit einer Feuermauer dranzubauen.

Eigentlich recht bescheidene Chancen für ein gutes, praktisches sowie ökologisches Einfamilienhaus. Aber, und das sei besonders herausgestrichen, die Bauherr- und Frauschaft waren wunderbare Projektbegleiter und als ich den ersten Entwurf vorlegte, war ihr Kommentar in etwa: „Sowas haben wir noch nie gesehen, aber jetzt freuen wir uns sehr drauf“. Aufgrund Ihrer durchgängigen Unterstützung und der Entscheidungsfreudigkeit konnten wir das Projekt in einem Jahr realisieren. Ich baute mit meiner Mitarbeiterin ein großes Modell M 1:25, denn eine Mitarbeiterin hatte ich damals, die aber keine Entlohnung verlangt hat, weil sie so gern bei mir lernen wollte! Das Modell steht heute noch in einer Vitrine im Obergeschoß des Hauses.

Die Hauptidee des Entwurfes, eines abgeschnitten Achteckes war, über die zwei Schrägen von Osten wie von Westen jeweils auch ein wenig Sonne aus Süden miteinzufangen. Das klappte sehr gut, außerdem wurden durch einen Umgang im Obergeschoß, der an den Seiten jeweils Abgänge in den Garten hat, für alle Aufenthaltsräume direkte Ausgänge ins Freie geschaffen. Trotz der repressiven Bestimmungen der Wohnbauförderung, besonders was die Nutzflächengröße betraf, konnte ich im Obergeschoß getrennte Bäder für die Eltern und für die Kinder vorsehen und jeweils mit farbiger Verglasung der Fenster aufwerten. Außerdem fertigte ich alle Leuchten im EG selbst aus Holz und Leinen an.

Wir mauerten im EG mit dicken Ziegeln und die Verandavorbauten, sowie das Glashaus im EG und das gesamte OG mit der Decke dazu wurden aus Massivholz gefertigt. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, es war damals 1987 die erste Anlage im Privatbereich und die Baubehörde hatte ihre lieben Nöte, wie denn zu bewilligen wäre!

Der ORF machte mit diesem Haus eine einstündige TV Sendung über biologisches Bauen ohne mich zu interviewen oder auch nur zu erwähnen! Es wäre für mich Werbung gewesen, aber ich versuchte es auf die heitere Weise. Ich schrieb dem damaligen General Teddy Podgorski, wo ich Bezug auf den Abspann des Beitrages nahm, in dem stand, dass alle Urheberrechte für den Inhalt (also auch mein Entwurf) beim ORF liegen! Im Brief kündigte ich an, dass ich meine Rechtsanwälte angewiesen habe, eine Urheberrechtsklage gegen mich auszuarbeiten, da ich ja mit meinem Entwurf offensichtlich die Rechte des ORF verletzt habe. Ich dachte dies wäre einer heiteren Antwort würdig gewesen, aber es kam keinerlei Reaktion.

Das war werbemäßig kein guter Anfang für mein Büro, aber die Familie lebt heute noch sehr gerne in dem Haus.

© feuervogl 08.03.2020

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