Ogoh Ogoh auf der Insel der Götter

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Ogoh Ogoh auf der Insel der Götter | story.one

Bali. Eine Insel voller Magie.

Die Flüge sind reserviert, einen Monat Zeit und keinen Plan. Das erste und das letzte Quartier ist gecheckt. Und dann...erfahre ich ganz nebenbei, dass an meinem Geburtstag die Ogoh Ogoh Parade, am Exorzismustag und tags darauf Nyepi, der erste Tag im balinesischen Jahr, gefeiert wird.

Exorzismus und das an meinem Geburtstag.

Balinesen sind sehr gläubig und legen grossen Wert darauf wenn Touristen ihre spirituellen Traditionen achten. Die richtige Kleidung ist unerlässlich. Für normale Tempelbesuche reicht ein Sarong und ein Selendang(ein Schal über der Hüfte). Für besondere Anlässe wird über dem Sarong noch ein Saput getragen(ein knielanges besticktes oder goldverziertes, festliches Tuch).

Bereits 3 Tage vor dem balinesischen Jahreswechsel beginnen die Melasti Zeremonien. Prozessionen an denen heilige Gegenstände aus den Tempeln zum Meer gebracht, dort gereinigt und gesegnet werden. Hier glaubt man daran, dass alles in der Natur lebendig ist. Karuna, der Wassergott wird mit diesen Ritualen verehrt. Es wird viel gegessen, gebetet&gefeiert. Wer korrekt gekleidet ist(bevorzugt Weiß&Gelb), darf sich unter die Einheimischen mischen auch wenn man kein Hindu ist. Die Strassen beginnen zu verstopfen und wer auf der Insel vorankommen möchte, braucht viel Geduld oder gute Abkürzungen. Mein Hideaway ist auf Klippen gebaut unter einem magischen Felsen, unserem QigongHügel, mit Blick auf den Mount Agung. Darunter befindet sich der Strand mit einem Tempel. Abends beim Qigong höre ich viele spannende Töne und nehme eine kraftvolle Energie wahr. Der Blick auf den Vulkan, egal zu welcher Tages-oder Nachtzeit, lässt mich immer ehrfürchtig lächeln.

Suweni hat mir einen Schokokuchen in Herzform gebacken, garniert mit blauen Blumen. Ich trage einen farbenfrohen Sarong, einen goldenen Saput und als Selendang einen geflochtenen Gürtel, den mir ein Schamane gegeben hat. Vor vielen Jahren zum Schutz. Wir trinken balinesischen Schampagner und die Goldstücke aus der Küche haben ein kaltes Buffet der Köstlichkeiten gezaubert. Wir sind zu neunt im Resort. Wir feiern. Mit dem alten Jeep gehts über den Schotterweg zur Parade ins Dorf. Die 90er Jahre tönen aus dem Kassettenrecorder. Ich bin aufgeregt und glücklich.

Etwas liegt in der Luft und ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Es ist dunkel, die Strassen sind bummvoll und alle sind dabei vom Kleinkind bis zum Greis. Die OgohOgoh's (meterhohe selbstgemachte Dämonenfiguren) werden auf Gestellen von 4-10 jungen Männern, begleitet von lauten Schreien und Musik, durch die Strassen getragen. Die Dämonen werden so aufgescheucht. Die Luft steht. Fühlt sich fast unwirklich an und sehr intensiv.

Ich bin still und verabschiede mich von ein paar meiner Geister. Gibt's eine bessere Gelegenheit als diesen Moment? Hier am Fuße des Vulkans am anderen Ende der Welt und mit fremden Menschen die zu Freunden wurden.

Om Swastiastu

© Figaro 30.06.2020