Eine neapolitanische Familie

Ich wurde vor 50 Jahren in Neapel geboren, meine Mutter Wienerin, mein Vater Neapolitaner und eines von sechs Kindern, damals kein rein italienisches Phänomen.

Meine österr. Oma hatte auch sechs Schwestern, die 7 Reiterinnen der Apokalypse. Sie waren alle wie die Omama in dem Lied von Ludwig Hirsch, Gott hab sie selig.

Meine Mutter lernte meinen Vater im Zug nach Italien kennen, Sie fuhr nach Arezzo um dort eine Stelle als Kindermädchen anzunehmen und mein Vater kehrte von Salzburg zurück, wo er seinen Bruder besucht hatte,um rechtzeitig zum Geburtstag seiner Mutter, wieder zuhause zu sein. Für meinen Vater war seine Mutter heilig, ja alle Mütter sogar meine Oma!

Sie waren zwei Fremde im Zug, meine Mutter auf der Flucht vor Ihren ersten Mann, den sie sehr jung geheiratet hatte um von daheim wegzukommen, der Mann war aber sehr jähzornig und gewalttätig und so wollte sie in Italien neu anfangen. Im Zug saßen sie sich gegenüber, meine Mutter kein Wort Italienisch und mein Vater kein Wort Deutsch.

Neben meiner Mutter saß ein Italiener, einer der aufdringlichen Sorte, er bedrängte meiner Mutter und in ihrer Not sagte sie ihm er solle sich zurückhalten, der Mann gegenüber wäre ihr Verlobter. Natürlich fragte der Italiener meinen Vater sofort ob dass denn so sei, mein Vater ein sehr korrekter Mensch, verneinte, obwohl er selbst schon ein Auge auf meine Mutter geworfen hatte. Es waren die sechziger Jahre.

Der Mann stieg glückslos in Venedig aus und so kamen sie sich näher, wie habe ich nie erfahren, aber anscheinend waren sie sich sympathisch, denn sie tauschten Ihre Adressen aus und versprachen sich zu schreiben. In Rom versuchte mein Vater, meine Mutter noch zu einem Hotelbesuch zu überreden, zum Glück verneinte meine Mutter jedoch. Er erzählte später immer dies wäre seine Probe gewesen für meine Mutter, wenn Sie mitgegangen wäre, hätte er sie nicht geheiratet.

Meine Mutter trat Ihre Stelle als Kindermädchen an und mein Vater war wieder zuhause. Sie schrieben sich viele Briefe oft aneinander vorbei, meine Mutter hat mir die Briefe gezeigt, einmal gab es sogar ein Mißverständnis so groß das es fast vorbei gewesen wäre.

Als Adresse schrieb meine Mutter immer nur ihren Namen "Eva", sie erzählte mir später dass unsere geliebte Nonna ihr später einmal gesagt hatte, wenn sie ihre Adresse gekannt hätte, hätte sie ihr geschrieben, sie soll ihren Sohn in Ruhe lassen, schließlich war sie eine verheiratete Frau.

Mein Vater verschaffte meiner Mutter eine Stelle in Neapel, meine Mutter wurde schwanger. Es hieß sie könne keine Kinder bekommen, mein Vater sagte zu ihr sie solle sich keine Sorgen machen er kümmere sich schon darum.

Ja der Vesuv ist sehr fruchtbar und so erblickte ich mit 58 cm und 4,60 kg ,die Welt. Eineinhalb Jahre später folgte mein Bruder. Meine Eltern waren 42 Jahre lang glücklich verheiratet, wir haben meine Eltern nie streiten gesehen und ich danke Gott, dem Schicksal oder wie auch immer in so eine Familie geboren zu sein.

© Fiorimonte