Mein Vater und das Meer

Ich hatte ein paar Fotos durchgeschaut auf der Suche nach einer Geschichte. Es waren viele Bilder aus Italien, der Maremma in Lazio. Meine Eltern hatten im Frühjahr 2001 ihr Haus in Österreich verkauft und gingen noch einmal nach Italien, nein nicht nach Neapel da war zuviel Chaos, zuviel Geschichte. Ich hatte meinen Vater den Umgang mit dem Computer und dem Internet gezeigt und so hatte er bereits einige Adressen in der Nähe von Viterbo. In etwa eine Stunde nördlich von Rom, Orbetello und die Isola del Giglio, waren ganz in der Nähe. Meine Eltern wollten nochmal in den Süden.

Meine Mutter hatte ja selbst zwölf Jahre lang in Neapel gelebt, mein Vater wollte nochmal sein Meer sehen. Vittorio war ein Mann des Meeres, wie er sich selbst einmal genannt hat (das ist eine andere Geschichte). Meine Eltern waren immer sehr spontan, wenn sie sich für etwas entschieden hatten, und es wurde immer gemeinsam entschieden, dann ging es ins "tun" wie ich es nenne, es wurden Nägel mit Köpfe gemacht. Kaum war das Haus verkauft, ging es auf Immobiliensuche in die südliche Maremma, das dritte Haus dass sie sich ansahen wurde gleich gekauft, es hatte einen wunderschönen Garten, meine Mutter hatte ihren Riesenkaktus mitgenommen, stellte ihn in den Garten und sie sagten "e comprato!"

Die Signora von der Immobilienfirma sagte, sie habe so eine spontane Entscheidung noch nie erlebt. Es war wunderschön, das Dorf lag erhöht auf einen Felsen, hat eigene Quellen, zwanzig Minuten vom Meer entfernt. Der Lago di Bolsena war auch ganz in der Nähe und nach Viterbo waren es vierzig Minuten. Das Gebiet hat viele Heilquellen und war früher Etruskergebiet, Vulci, Tarquinia und Tuscia. So oft es ging besuchten wir unsere Eltern, wir gingen gemeisam ans Meer, unternahmen ganz viele Ausflüge, Orvieto (Slow food festival) Pitigliano, wunderschön auf einen langen Felsen gebaut, die Thermal Quellen von Saturnia (damals war noch niemand dort). Zu Weihnachten kamen sie zu uns nach Wien.

Mein Bruder fuhr auch sehr oft mit seinen Sohn hinunter, er liebte seinen Nonno, lustigerweise hat er das gleiche Gemüt, wie mein Vater. Willensstark wie mein Bruder und diese innere Ruhe und Gelassenheit von meinem Vater. Toller Junge! 2009 holte uns das Leben wieder ein... Mein Vater erkrankte an Lungenkrebs, er hatte sehr früh zu rauchen begonnen, damals rauchten alle, Filmstars, Helden, Politiker, mit Fünfzig wieder aufgehört, aber mit 69 brach der Krebs aus. Es ging alles sehr schnell, nach drei Monaten ist er gestorben. Dieses Jahr werden es zehn Jahre! Heute musste ich wieder weinen. Ich bin stolz, daß er mein Vater war, er war nicht nur mein Vater, er war auch mein bester Freund! Zeit seines Lebens immer humorvoll, voller Leben, immer positiv, ein großartiger Mensch! Bacioni Don Vito!

© Fiorimonte