Mutter angelt einen Fasan

Anfang 1980, wir wohnten noch am Sportplatz (wo meine Eltern als Sportwart arbeiteten) mein Vater zog die Linien am Fußballplatz, kümmerte sich um etwaige Reparaturen, meine Mutter um die Räumlichkeiten und die Dressen, der Mannschaften. Aber jetzt war Winter und alles war ruhig. Hinter dem Fußballplatz gab es einen kleinen Hügel, den wir Kinder Rodelberg nannten, da wurden ganze Winter Olympiaden ausgetragen, inklusive nordische Disziplinen wie Schanze bauen und Skispringen. Anfang der 80er Jahre war ein Winter noch ein Winter, ich erinnere mich an bitterliche Kälte und tiefen Schnee. Uns Kinder konnte dies alles nichts anhaben, wir hatten "Moonboots" und die ersten Thermo Skianzüge, alles vom Kaufhaus Konsum.

Gleich hinter dem Rodelberg begann der Wald, der damals auch noch voller Tiere war. Rehe, Fasane, Eulen, Hasen, ein ganzer Märchenwald. Wie gesagt es war ein sehr kalter Winter und die Tiere kamen bis zu unseren Vorgarten. Die Fasane sogar hinauf auf die Terrasse. Wir beobachteten Sie vom Küchenfenster aus. Eines Tages kam mein Onkel zu Besuch, als wir auf die Tiere aus dem Wald zu sprechen kamen, erzählte er uns eine unglaubliche Geschichte, wie er einmal mit einer Angel und Mais einen Fasan gefangen hatte.

Zwischen meinen Onkel und meinen Eltern entstand eine Diskussion ob der Wahrheit einer solchen Geschichte. Die Diskussion gipfelte darin, dass mein Onkel zu meiner Mutter sagte, sie soll es doch selbst ausprobieren. Gesagt getan ließ er Ihr ein Stück Angelschnur da mit einen Haken (ich habe mich, als Kind jahrelang gefragt wozu führt man im Winter seine Angeln im Auto mit?) Meine Mutter hatte ja Maiskörner als Futter und so legten sie die Schnur mit dem Köder aus. Die Monate vergingen und der Winter zog ins Land. Wir hatten die Angelschnur bereits alle vergessen, sie war unter dem Schnee der Terrasse, begraben. Anfang März, meine Mutter kam vom Einkauf nach Hause, da saß er auf der Terrasse, ein großer Fasan, mit prachtvollem Gefieder. Er versuchte, die Angelschnur zu schlucken, den Mais am Haken hatte er schon verschluckt.

Meine Mutter war so erschrocken, dass sie nicht wusste, was sie nun tun sollte. Sie deckte ihn zu und ging zu unserer Nachbarin, die selbst Hühner hatte. Die sagte nur zu ihr: "Geh Madel kumm des mach ma scho"! Gesagt getan ging Sie mit meiner Mutter hinüber und mit einen langen Messer verlor der Fasan sein Leben. Zum Glück waren wir Kinder in der Schule. Irgendwann gab es dann, sehr guten Fasanbraten, eine unglaubliche Geschichte und einen stolzen Fischer-Onkel. Er freute sich riesig, dass er doch Recht behalten hatte.

© Fiorimonte