Schulmilch zur großen Pause

Bereits in den 80ern des vorigen Jahrhunderts (sorry das muss sein, das klingt nach lang, lang ist es her…) gab es auch bei uns die „gesunde Schulmilch Aktion.“ Jeder konnte, sofern man es sich leisten konnte, denn es war durchaus auch eine Kostenfrage, daran teilnehmen. Zum einen waren mein Bruder und ich, meist gut genährt und zum anderen gaben wir unser Taschengeld (ab und zu 20 Schilling von meinem Vater, die er als Trinkgeld bei der Arbeit bekommen hatte) beim Bäcker auf den Weg zur Schule, damals noch vorwiegend zu Fuß, für Süßes und/oder Panini Pickerl (Sticker)der aktuellen Fussball-WM Kollektion, aus.

Die Pickerl konnten wir in der Schule gut eintauschen, gegen Süßes oder eine bereits gelesene BRAVO Zeitschrift. Das Dr.Sommer Team sorgte immer für garantierte Lacher. So oder so, war unsererseits, nicht an die tägliche Ration Schulmilch zu denken. Der Kakao war ein rares Gut, den man dann umso mehr zu schätzen wusste. War jemand krank, wurde die Milch vom Lehrer willkürlich verteilt, je nach Lehrer musste man hoffen, dass es der oder die Lehrerin war, die einem gut gewogen war. Manche Lehrer waren bei der Verteilung sehr korrekt, da wurde sogar Alphabetisch verteilt. Obwohl die Nachfrage sich natürlich nach dem angebotenen Produkt richtete. Auf Milch pur, wurde meist großzügig verzichtet, die bekamen meistens die Mädels, Vanille Milch war sowieso grauslich, a griß (sich darum reißen) war so, nur um den Kakao. Ab und an war man eben der Glückliche und konnte seinen Kakao ganz stolz unter den neidvollen Blicken der „Kakaolosen“ genießen.

In der Schule saß ich immer ganz hinten, nicht weil ich so schlecht war, nein die coolen Jungs saßen alle hinten, vor uns die coolen Mädels, die zweite Reihe war mit weder noch Schülern besetzt und die Streber und Lieblinge der Lehrer saßen erste Reihe fußfrei. Und so begab es sich eines Tages, dass ein Freund von mir, ein Streber der sympathischen Sorte, ein Junge aus der Nachbarschaft, zu den wir immer gehen konnten, wenn wir in Mathe ein Problem hatten und er wiederum in uns immer einen Mitspieler am Tennisplatz, seinen Kakao nicht wollte. Er rief vorne: „Mario willst mein Kakao?“ Ich antwortete „Ja schieß her“ und so nahm das Unglück seinen Lauf. Er schoss, ich hob meine Hände und ach du Sch... der Kakao flog zwischen meinen Händen hindurch, klatschte mit einem lauten stumpfen Knall gegen die Mauer hinter mir und hinterließ einen riesigen, braunen Fleck an der Wand. Der Herr Direktor war entzückt, unsere Eltern wurden vorgeladen und wir mussten einen ganzen Nachmittag bleiben, denn zu allen Unglück hatte der Herr Direktor nun auch die Löcher in unseren Tischen entdeckt, die wir still und heimlich über Wochen mühsam gebohrt hatten, um den Kakao auch während der Stunde unauffällig mit einem Strohhalm zu trinken. Jeder von uns bekam einen Pinsel, Farbe für die Wand und eine Spachtel mit Kunstholzmaße für die Löcher im Tisch. Unsere Lehrerin aus dem Werkunterricht übernahm die Kontrolle.

© Fiorimonte