anapurna

jedes glück hat eine vorgeschichte die wir zufall nennen.

von kathmandu schraubt sich ein klappriger bus die staubigen serpentinen hoch nach pokhara. die stadt am fuße des anapurna massives gilt als das tor nach tibet.

die einreise ist damals wegen aufständen gegen die chinesische herrschaft verboten. getreu meinem motto "schau ma mal" habe ich beschlossen es trotzdem zu versuchen.

die erste hürde ist die genehmigung, die man kaufen muß um in nepal im himalaya zu wandern. weil das recht teuer ist, beantrage ich, wohl wissend, dass sich das nicht ausgehen kann, eine für sieben tage und mache mich auf den weg in richtung des sagenumwobenen daches der welt.

subtropische vegetation, die langsam von einer abgelöst wird, die an das alpenvorland erinnert.

ich überhole gruppen von schwer beladenen tibetern, oben auf ihren lasten noch ein laut dudelndes kofferradio. wenn ich mittagspause mache überholen sie mich wieder, wenig später überhole ich sie, am abend kommen sie wieder, lachend und schwatzend, an mir vorbei. sie gehen langsam, aber vom frühen morgen bis in die nacht, etwas das ich erst langsam von ihnen lerne.

ich befinde mich im tiefsten tal der erde, auf zweitausend metern höhe, zwischen bergen, die rund um mich bis zu sechstausend meter steil in die höhe ragen. unter ihnen der machapuschare, bekannt als "fishtail", weil er wie eine siebentausend meter hohe schwanzflosse aussieht, sowie der dhaulagiri (weißer berg), siebenthöchster berg der welt. auf ihn richtete sich mein interesse.

ich mache es wie immer, quartiere mich im letzten dorf auf meiner route ein, lerne die leute kennen. immer findet sich wer der mich weiter bringen kann, oder es zumindest glaubwürdig behauptet.

mit einem jungen nepali steige ich wenige tage später auf den daulaquiri. wir durqueren, auf kaum mehr als einem halben meter breiten wegen, wände die hunderte meter unter uns abfallen, gelangen bis zum "icefall", der wie ein riesiger fluss aussieht der den gipfel des weißen berges umspülte und eingefroren ist.

nach tibet wage ich mich soweit bis mir tibeter mit eindeutigen gesten zu verstehen geben, dass auf mich geschossen würde wenn ich weiter gehen sollte.

ich verbringe noch eine interessante zeit in den tibetischen dörfern an der grenze, dann trete ich den marsch zurück nach pokhara an.

da ich mein "trekking permit" um ein vielfaches überzogen habe, versuche ich um den checkpoint im tal herum zu schleichen, werde aber erwischt und aufgefordert mich hinter einer großen gruppe japanischer bergsteiger anzustellen und meine genehmigung vorzuweisen.

als ich nach einer stunde, in der ich mir hundert ausreden überlegt, aber mich noch für keine entschieden habe, endlich an der reihe bin, scheint der nepalesische beamte der meinung zu sein genug gearbeitet zu haben, drehte sein allwissendes buch um und entschwindet mit einem "you write yourself" in seine wohlverdiente pause mit ihm entschwindet auch mein problem.

ich habe einfach oft glück gehabt!

© Flaco