batak

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batak | story.one

als general fidel ramos auf den phillipinen einen putsch gegen den allmächtigen marcos clan anzettelte, der das inselreich als sein persönliches eigentum betrachtete, befand ich mich, weit ab vom geschehen, auf der insel palawan.

ich hatte vor, von puerto princessa aus in die berge zu gehen, um ein dorf der "batak" zu suchen. die batak, ein volk, das die philippinos "negritos" (negerleins) nennen, bei uns nennt man diese, in asien und afrika vorkommenden völker "pygmäen". eigentlich ein begriff aus der mythologie. die batak sind dunkler als philippinos und eher zart als besonders klein.

mit einem deutschen freund, der, als bauingenieur, eine untersuchung über das wasserrückhaltevermögen der reisterrassen durchführte und froh war, ein jahr zu studienzwecken auf palawan verbringen zu können, kauften wir soviel proviant, wie wir tragen konnten, hauptsächlich reis (jeden tag reis, mal mit nüssen, mal mit rosinen. vielleicht gesund, aber nach fünf tagen anstrengend) und machten uns auf in die berge.

wir hatten in puerto princessa batak gesehen, die zu bedauern waren, die meisten lebten auf der straße, hatten zu trinken begonnen und waren in der stadt sehr unbeliebt.wir wollten sehen, wie sie in den bergen lebten und folgten einem fluss ins innere der tropischen insel. oft war es besser, nicht den langen schlingen des flusses zu folgen, sondern über den berg und dann abends wieder am fluss. manchmal wurden die berge steiler, als wir gedacht hatten, auf hochebenen wanderten wir durch zwei meter hohes gras.

als wir nach einigen tagen am fluß kleine, aber relativ breite fußspuren entdeckten, wussten wir, dass wir in ihrem gebiet waren. ich kann mich sehr gut an das bild erinnern, weil es aussah wie spuren von einem kindergeburtstag.

die batak sind sehr scheu. nicht zu unrecht. hat man doch seit jahrhunderten, sowohl in chinesischer zeit als auch unter den spanieren und amerikanern, regelrechte jagden auf sie veranstaltet. ich habe lange überlegt, wie ich das anders erklären könnte als nicht auch mit diesem tierbild, das seit jeher dazu führt, sie zu jagen, aber ich hatte auch das gefühl, sehr scheuen tieren zu begegnen, jeder der mich kennt, weiß, wie sehr ich tiere liebe, dass das ein emotionales kompliment ist, weitab von geringschätzung.

manchmal hörte man sie, sah einen hinter einem baum hervorschauen, dann waren sie wieder verschwunden. das hatte nichts bedrohliches, freute uns, weil man ihnen anmerken konnte, dass sie interessiert aber scheu wie eichhörnchen waren.

am fluss haben wir das dorf gefunden. ein alter mann mit roter schleife kam uns entgegen und begrüßte uns freundlich, aber man sah ihm an, dass er angst hatte, also zogen wir uns nach einer kurzen konversation zurück. ich denke, der mann war recht froh darüber.

mit erschrecken habe ich jetzt gelesen, dass es heute nur mehr geschätzte dreihundert von ihnen gibt. primos batak, ich wünsche euch alles alles gute! es war mir eine ehre, euch kennen gelernt zu haben!

© Flaco