bob

in den frühen sechziger jahren sah meine mutter aus wie march simpson, mein vater wie eine mischung aus james dean und bill haley. rock n roll!

als ich mich für musik zu begeistern begann hatten sich meine eltern bereits einen kleinen wohlstand erarbeitet, (für die jüngeren unter uns: das ging damals noch!) und waren zu wohlstandsmusik (abba) übergelaufen, ich hatte also einen stapel an elvis, little richard, jerry lee lewis und jonny cash singles zur verfügung.

bald die ersten konzerte, festivals. folk musik. make love not money.

ein loch im zaun, die unachtsamkeit eines türstehers war meine eintrittskarte. ernährt habe ich mich von den reisbällchen der "hare krischnas". einmal haben mich die dubliners nach einer langen nacht zum frühstück in ihren doppeldecker bus eingeladen, unvergesslich.

cat stevens, joan baez, mit donovan "trying to catch the wind". "atlantis" eine versunkene welt, die es wieder zu finden galt. bob dylan versprach "the times they are a changing" ich glaubte ihm (tue es noch heute).

irgendwann musste man sich zwischen den beatles und den stones entscheiden. sympathie for the devil. hu hu! aber auch für konstantin wecker. dass sie gestern den willy erschlagen haben, kann meine mutter heute noch nicht hören, so oft habe ich es gespielt.

"i can´t get no" oder, wie wecker es ausdrückt, "genug ist nicht genug" die karriereleiter die ich nicht erklommen habe, auch weil "schon schweigen ist betrug". die alpen waren nicht genug, es musste der himalaya und die anden sein, denn "ich laß mich nicht belügen. genug kann nie genügen".

erste schritte auf der "stairway to heaven". versuche mit psychodelischen substanzen. flüge ins all mit einem zeppelin aus blei.

irgendwann torkelt bob dylan mit bemaltem gesicht und weiten augen auf der bühne herum, verliert sich in e gitarren klängen, ich kann ihn verstehen, mir geht es ähnlich, harte landung mit den sex pistols. wecker wird verhaftet, dylan verschwindet im untergrund, ich in psychotherapie.

jahre später, dylan ist härter geworden "thunder on the mountain" mehr rhythem and blues, wir verstehen einander weiter prächtig. wecker und ich sind auch vernünftiger geworden.

gestern habe ich onkel bob, wie ich ihn mittlerweile für mich nenne, im konzerthaus in wien, wieder gesehen. alt sind wir geworden, der rahmen feiner, aber er ist mir so nahe wie immer, ist besser denn je. ich hoffe das kann man von mir auch behaupten.

ein liederfürst, schubert hätte ihn gemocht, mit so viel gefühl, nicht nur für den blues, auch für mein leben.

musik, ganz besonders die live erlebte, ist eine quelle für mich um kraft zu tanken, meine gedanken und gefühlswelt zu reinigen und zu ordnen , selten so intensiv und bewegend wie bei dem großen meister.

ein langer weg den wir gemeinsam gegangen sind, ein stück werden wir ihn noch gehen. "how many roads must a man walk down?"

ich hoffe wir treffen einander irgendwann noch einmal, onkel bob und ich.

wer weiß. "the answer is blowing in the wind."

© Flaco