ched

er sprach mittlerweile oberösterreichischen dialekt mit gelegentlichen grammatikalischen unstimmigkeiten, war seit vier jahren in österreich und seit zwei jahren lehrling in dem supermarkt hinter dem cafe glockenspiel in gmunden am traunsee.

herr nussbaumer, langjähriger leiter des supermarktes, war froh die monatelang vakante stelle endlich mit einem zuverlässigen, jungen, also billigen mitarbeiter besetzt zu wissen, auch wenn dieser, ganz offensichtlich, auf einem anderen kontinent geboren war, besonders, da im salzkammergut mittlerweile auf achtundvierzig senioren zirka vier jugendliche kamen, von denen einer zu nichts zu gebrauchen war, zwei in die hauptstadt gezogen und der verbliebene einen supermarkt eher gekauft, als in ihm gearbeitet hätte. herr nussbaumer hatte also eine sorge weniger und eigentlich mochte er den freundlichen ched auch.

selbst die dicke frau rosenkranz, wirtin vom goldenen hirsch, die den neuen lehrling naserümpfend zu ignorieren versucht hatte, war dahingeschmolzen als er ihr zum ersten mal die schwere tasche zum gasthof hinauf trug, ganz dame schritt sie vor ihm her, und eine dame war sie ja fast auch.

ched besuchte regelmäßig die kirche. er war in der gemeinde sehr willkommen, obwohl es anfangs irritierte, dass er gegen ende der messe die augen schloss und mit ausgebreiteten armen, den kopf in den nacken gelehnt zu tanzen begonnen hatte, weil er von seiner nona träumte, die ihm beigebracht hat, dass nur gottvertrauen glücklich macht und die eben dafür, vor seinen augen, erschlagen worden war, ihre arme mit zwei kräftigen machetenschlägen abgetrennt, weil sie gebetet hatte und eine von denen war deren land mitten in dem der anderen lag.

ched war endlich einfach glücklich, hatte eine riesengroße wohnung von neuneinhalb quadratmetern bezogen, von einen raum nur für sich allein hatte er lange geträumt. die klamotten von der caritas, mano! jeans, hemden, echte adidas sneakers! und schlafen ohne schüsse von der straße zu hören. so chillig!

gute leute! spakos gibts überall, aber gute leute!

er hatte ein handy und gerade die virtual reality brille entdeckt, die ihm der chef überlassen hatte. wie cool ist das denn? broth!

wenn alles so weiter lief, stünde ihm, in spätestens vier jahren, die welt offen, dann konnte ihn nichts mehr davon abhalten beim vater der blonden mizzi aus dem cafe am hauptplatz, dem die autowerkstätte in ebensee gehört, um die hand seiner tochter anzuhalten, denn da wo er herkommt gilt es als ehrlos eine braut ohne den segen ihres vaters zu nehmen.

und was hätten sie für schöne kinder gehabt die mizzi und der ched!

ja, hät i, tät i, war i - is nix!

er wurde gestern abgeschoben, nach tschibuti, mogadischu oder weiß der teufel wohin.

es ist besser es kommt keiner daher und versucht mir zu erklären wofür das gut sein soll!

© Flaco