schön wars!

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schön wars! | story.one

"wenn einer eine reise tut, dann kann er was erzählen!" behauptete der dichtende freimaurer mathias claudius im achtzehnten jahrhundert. damals stimmte das genau so wie heute, vielleicht sogar noch etwas mehr.

ich bin oft erschrocken was aus orten, zu denen ich vor dreißig jahren gereist bin, geworden ist. wo sich die ärmsten der indigenen vor kameras prostituieren um ihre kinder zu ernähren. dorthin reist man heute nicht mehr, man fährt "auf urlaub".

was wäre das, ein ur-laub? das laub vom ur-baum? dem baum der erkenntnis, dessen frucht verboten ist, deren genuss zur vertreibung aus dem paradies führt?

wenn, also einer eine reise tut, dann kann er was erzählen. wenn er es kann, dann landet er sicher irgendwann bei "el mundo" oder bei story1. wenn er glück hat (so wie der tom und ich) sogar bei beiden.

"el mundo" ein zweitägiges abenteuer und reisefestival in einem barocken saal in judenburg, in der herbstlich bunten steiermark, sonnenschein und parkplatzparty.

schön wars!

ein treffen von reiselustigen und reisewütigen, die einiges zu erzählen haben und das in form von multimediashows tun. von einer jury, in der auch ein, hier nicht ganz unbekannter verleger sitzt, der sich nichts geringeres vorgenommen hat, als den buchmarkt zu demokratisieren, werden die besten prämiert und erhalten so etwas wie einen steirischen reisegeschichten oskar.

selten so viele interessante leute auf einem platz getroffen.

da ist der bayer der ohne je zuvor zur see gefahren zu sein mit einem holzschiff die antarktis durchquerte, der kärntner der eineinhalb jahre mit pferden durch das kirgisische hochland zog und über die zügel der freiheit spricht, die meistgewanderte frau der welt, die erzählt wie man sein manager dasein auf fünf kilo gepäck zusammenstreichen und damit fürderhin durch und um die welt wandern kann, das junge paar, das neun jahre lang mit seinem schiff die entlegensten winkel der erde befahren hat, gerade erst zurück gekommen und offensichtlich dem, was man (fälschlicherweise) zivilisation nennt noch etwas entrückt, der leipziger der mit dreißig euro im sack um die welt trampte und einige extremreisende geschichtenerzähler mehr.

unter tags ein workshop mit dem medienprofi martin, der in einer emotionellen diskussion erklärt was eine gute story ausmacht (drei punkte: emotion, emotion, emo..!)

auf grund eines story wettbewerbes vor einigen monaten wurden tom und ich ausgewählt dort ein paar geschichten vorzulesen. muß sagen, dass ich die ersten minuten nervös war, dann aber doch bald in den sogenannten "flow" gekommen bin und gerne noch ein zwei stunden weiter gelesen hätte. tom erzählt, so wie er es immer tut, geschichten von denen man nicht genau weiß was er eigentlich sagen will, die aber trotzdem, wahrscheinlich gerade deswegen, amüsant klingen.

ich bin überzeugt, dass alle die dort waren es genossen haben. für meinen freund tom und mich (so die beginnende demenz uns nicht irgendwann überholt) unvergesslich!

© Flaco