negro

"el negro", fotograf, schwarz, kommunist , "marico", bekennender homosexueller und seit zwanzig jahren einer meiner besten freunde.

eine imposante erscheinung, fast einen kopf größer als ich, um einiges breiter und einer der liebenswürdigsten menschen die ich kenne. meine kinder die, als sie ihn kennen lernten, gerade einmal laufen konnten, liebten ihn vom ersten moment an und er sie.

geboren in caracas, lebt er in einem der schwärzesten barrios. nicht, dass er es sich nicht leisten könnte wo anders zu wohnen, aber da ist das haus, die mutter ist alt, die neffen sind jung, die cousins, die angenommenen cousins, die "primos". irgendwer muss sich doch um alles kümmern.

seit kindheit gewohnt sich flach auf den boden zu legen, wenn die bösen jungs auf der straße meinungsverschiedenheiten klären oder die polizei beschlossen hat dem viertel einen besuch abzustatten, ist er da nicht zimperlich und eigentlich lebt es sich ja sonst ganz angenehm im barrio.

als anerkannter fotograf verkehrt er in der intellektuellen oberschicht, ist gern gesehener gast jeder "fiesta", weil es der stimmung immer gut tut, wenn "el negro" kommt und auch, weil es, in diesen kreisen, zum guten ton gehört familien gefallener guerilleros zu unterstützen.

eines morgens, am heimweg wurde er, wegen nichts anderem als seiner offensichtlichen sexuellen orientierung, verhaftet, in einer arrestzelle von zwei polizisten höflich gebeten sich auszuziehen und als er sich weigerte, mit einem argument überredet, das ihm die nase brach. also zog er sich bis auf die unterhose aus und war selbst durch weitere schlagende argumente nicht zu bewegen diese abzulegen. eine automatische waffe an seiner stirn überzeugte ihn.

er zog die unterhose aus und hängte sie, mit einer theatralischen geste, den kleinen finger weit abgespreizt, an den lauf des auf ihn gerichteten gewehrs, was dazu führte, dass er die nächsten zwei tage im hospital central de caracas verbrachte, aber, wie gesagt, er ist da nicht zimperlich.

ich kannte ihn schon eine weile, als ich zufällig erfuhr, dass sein richtiger name manuel ist. ich kenne niemand der ihn so nennt und selbst wenn es politisch nicht korrekt sein mag, ich werde ihn auch weiterhin "negro" nennen.

ich darf das. ich liebe ihn.

© Flaco