pulpito

mein ziel ist die kanzel des teufels "el pulpito del diabolo".

ein scharfkantiger, rechteckiger, sechzig meter hoher felsblock, der auf einem gletscher in den kolumbianischen anden steht, selbst aber immer schneefrei bleibt, weil der teufel dort den karfreitag feiert.

in cocuy, dem letzten dorf am weg dorthin, gilt es freunde zu finden um weiter zu kommen. das gebiet war damals noch fest in der hand der "fuerzas armadas revolutionarias de colombia".

in dreitausend metern höhe fahren wir durch eine spektakuläre gebirgslandschaft am äquator. kühe, schafe, ziegen.

zwischen bauern, auf der ladefläche des lastwagens, der am rückweg die milch ins tal bringt. mir gegenüber sitzt ein alter indio mit bunten ketten um den hals. neben ihm liegt sein, an den beinen zusammengebundener ziegenbock, der sich lauthals über diese behandlung beschwert.

nach stundenlanger fahrt, auf ruppigen wegen, bin ich im halbschlaf, da berührt mich das bein des indios, was mich irritiert, weil ich spüre, dass es mit absicht geschieht. untermalt vom gemecker des ziegenbocks schlafe ich trotzdem ein und träume überaus realistisch, dass ich ein ziegenbock bin.

als ich aufwache bin ich verwirrt. ein mann der das bemerkt schüttelt, mit den worten "el shaman, el shaman!", den kopf und lacht.

auf pferden geht es weiter. durch die "paramos", vorbei an kleinen blauen gletscherseen in die phantastische welt der "frailejones", der tropischen gebirgspalmen.

ich bin überrascht wie gut pferde klettern können, wenn man sie gefühlvoll führt und sie vertrauen haben, sonst werden sie nervös, springen und stürzen ab.

irgendwann lassen wir die pferde zurück, was denen sehr recht ist, denn die dicken, behaarten blätter der hochgebirgs vegetation scheinen eine unwiderstehliche delikatesse für sie zu sein.

zu fuß weiter zum gletscher. wir sehen "el pulpito" bereits. es steht aber noch ein einstündiger marsch über ein schneefeld bevor, was in fünftausend metern höhe anstrengend und, da wir keine seile mitführen, auch gefährlich ist. wir müssen darauf vertrauen in keine der schneebedeckten spalten zu fallen.

leider beginnt sich das wetter einzutrüben. sturm kommt auf, wird immer stärker. oft muß ich mich mit beiden händen am boden festhalten um nicht weggeblasen zu werden.

irgendwann schmerzen die muskeln, die höhe nimmt den atem und das bewusstsein beginnt durcheinander zu geraten.

laut blöckend verwandle ich mich in einen ziegenbock.

ich habe es geschafft durch schnee und tosenden sturm, vor die kanzel des teufels zu kriechen, weil ich mich, mit hilfe eines traums, den mir ein schamane geschenkt hatte, in einen ziegenbock verwandeln konnte und weil der teufel ziegenböcke bekanntlich liebt!

https://www.youtube.com/watch?v=ouDDlzx64jM

© Flaco