er

er war 11 jahre alt und zu tode erschrocken.

es hatte langsam begonnen, ein zartes vibrieren in der luft, setzte sich fort in den gedanken, seinen und den der anderen, er konnte nicht klar unterscheiden, es floss, strömte, schwoll an, um schliesslich in diesem einen moment auf ihn einzustürzen.

er fand sich im auge eines wirbelwindes, unklare ahnungen, stimmen, stimmungen, umgeben von kaltem nebel, der zu kristallisieren begann als er sich von seinem sitz erhob und dieser hinter ihm hochklappte.

aus purer not tat er das unglaubliche, atmete tief ein, sog dieses ungeheuer das sich vor ihm aufgetürmt hatte tief in seinen schwellenden brustkorb.

der lärm der menschen die, um ihn, in langen, geraden reihen, scheinbar in erwartung irgendeiner art von aufführung, auf ebensolchen harten klappsitzen saßen, wurde von ihm aufgesogen, ihre aktivitäten verlangsamten sich, erstarben, bis eine unerklärliche leere der atmosphäre jegliche vibration entzog.

ein moment nur, den keiner benennen konnte, der zum teil aller wurde, die ihn erleben mussten, auch wenn niemand beschreiben konnte, was eigentlich geschehen war.

ein moment, der schon im nächsten von so gut wie allen verdrängt, aus der wahrnehmung verbannt wurde, aus purem unvermögen sich in irgendeiner form eine vorstellung davon zu machen.

die wenigen die sich ihr leben lang dieses moments bewusst waren, ihn verinnerlicht hatten, von ihm verschlungen wurden, wären früher oder später sowieso wahn-sinnig geworden.

er wurde von einem taumel hoch gehoben, aus sich selbst gerissen, empor in die leere, die alles was sagbar und unsagbar, sichtbar und unsichtbar war und ist aufsog und vernichtete.

aber, statt laut aufzubrüllen, zu implodieren, atmete er aus, atmete alles wieder aus sich heraus und setzte sich.

er war 11 jahre alt , zu tode erschrocken und sicher, dass es wieder passieren würde.

© Flaco