hoch zeit

"braut und bräutigam haben mir geboten ich soll gehen auf reisen, euch alle zur hochzeit laden und heißen" krächzt der schmächtige mann in mittelalterlicher kleidung, mit einer kappe wie till eulenspiegel und glöckchen an den trachtenschuhen. bevor er mit seiner umhängetrommel, sehr gekonnt, ein frohes liedchen trommelt. der brautlader und zeremonienmeister.

meine freundin maria aus dem oberen mühlviertel, hat mich überraschend eingeladen sie auf die hochzeit ihres jüngeren bruders in ihr heimatdorf zu begleiten.

sie hatte sich wieder einmal von ihrem lebensunmenschen getrennt. besagter unmensch, hat, völlig besoffen, noch neben mein bett gekotzt und lag nun eingeschlafen in meinem badezimmer.

das mühlviertel ist ein abgelegenes hügelland mit einsilbigen menschen, viel wald, keltischen opferschalen, katholischen kircherln, meistens auf dem landweg erreichbar, wildschön und noch ziemlich tourismusunverseucht.

eine hochzeit in dieser gegend zu besuchen versprach ein erlebnis zu werden. deftiges essen, reichlich zu trinken, exotisches brauchtum, musik, reichlich zu trinken, eine dorfgemeinschaft im ausnahmezustand einer hoch zeit, reichlich...spaß.

marias eltern, er ehemaliger schuldirektor, sie ehemalige lehrerin, scheinen eher angespannt als freudig erregt. immer wieder kurze unverständliche wortgefechte die in ein "des is jo des" münden.

ich bemerke den strengen blick den maria ihrem vater zuwirft. der räuspert sich, wendet sich freundlich zu mir "a schnapsal junger mann?" ihr älterer bruder, mathematikdozent, trifft ein, wird freundlich begrüßt, oder was man hier so darunter versteht.

als sein rothaariger kleiner bruder, der bräutigam, die stube betritt ein kühles "oiso doch" vom mathematiker, der jüngere errötet, ringt sich mühsam ein unschuldiges lächeln ab.

beim einzug in die kirche unter blasmusik, durch das spalier der freiwilligen feuerwehr, der der bräutigam angehört, fällt mir auf, dass eine der brautjungfern die kurz absichtlich auf den schleier der braut tritt, von einer anderen dafür ein heimliches lächeln erntet. zwei alte frauen mit kopftuch tuscheln im hintergrund.

als ich maria auf die schönheit der braut anspreche, zischt sie mir ein "gemeindemoped" ins ohr, was ich in dem moment noch nicht verstehe.

bei der zeremonie scheint mir der pfarrer sehr formell, wenig persönlich. ein kleiner junge aus der familie der braut zeigt einem aus der des bräutigams die zunge. was dieser erwidert.

beim obligaten kuss herrscht gespannte stille.

nach böllern, baumschneiden und deftigem essen im gasthaus zum hirschen, bei dem der brautvater eine kurze kryptische rede hält, die gelegentlich ein unterdrücktes lachen bei den anwesenden provoziert, wird schnaps serviert.

den hochzeitswalzer absolviert das paar mit einem schelmischen lächeln.

als die tanzgeiger polka zu spielen beginnen, stoße ich mit dem brautpaar an und wünsche ihnen glück. sie werden es brauchen!

© Flaco