kanak

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kanak | story.one

meine kinder sprechen eine neue sprache, sie nennen sie "kanak". meistens gefällt sie mir, manchmal auch nicht.

"gemmapark" kann was. man geht nicht "in" den park, man ist im park "hängt dort ab" mit der "gang". die meiner kinder nennt sich "la familia". gut so. das "gemmapark" wird zu einer aufforderung zum "sein" im park mit "la familia". finde ich schön.

"kommt dein broth auch?" - dein bruder. mehr als ein freund, ein bruder. auch wenn heute die bärtigen "brüder" vielen, nicht ganz zu unrecht, angst einflößen mögen, gefällt es mir einander brüderlich zu betrachten.

"chillmal" mag ich auch. "entspann dich" ist in jeder situation ein guter rat.

"wasgäht" erschließt sich mir nicht völlig, auch wenn es nicht unlogisch ist, vor der frage wie es geht erst einmal zu fragen was eigentlich.

als ich langsam sauer bin, weil mein sohn immer wieder mal etwas als "schwul" bezeichnet, frage ich ihn was er darunter versteht.

er behauptet, dass es "schwul" ist wenn jemand den unterschied zwischen braunem und weißem zucker im kaffee zu schmecken vorgibt. ich verstehe zwar, was er meint, trotzdem versuche ich ihm zu erklären, dass das vorurteile gegenüber homosexuellen menschen ausdrückt. da lacht er nur und fragt mich ernstlich, was das damit zu tun hat. ich bin nicht zufrieden, aber zumindest sicher, dass er es nicht böse meint

und weiße socken in sandalen sind ja wirklich "schwul".

er war schon immer für bemerkenswerte sager gut. als kleines kind hat er mich gefragt, ob bakterien so klein sind, dass sie an der wand aufrecht gehen können ohne zu klettern. ehrlich gesagt, ich denke heute noch über eine antwort nach.

"du opfer" kann ich gar nicht "ab". ich fürchte, das ist ja gerade der gag an der sache. ich konnte noch provozieren indem ich mir die haare grün färbte, heute hält man das für "fotogeschopd". jemand, in den unendlichen weiten die noch nie zuvor ein mensch betreten hat, als "opfer" zu bezeichnen schürt emotionen.

ich hoffe es bezeichnet mich nie jemand als "opfer". in den weiten stört es mich weniger, wenn er es mir ins gesicht sagt, wird er merken, dass das ein fehler war.

schon der gedanke an ein "opfer" hat etwas unangenehm archaisches.

da ist mir "gönndir" lieber. gönne es dir, egal was es kostet, gestatte es dir. was kann man im leben mehr erreichen als zufriedenheit? eigentlich auch ein prägnanter, guter rat in vielen lebenslagen.

manchmal nennen meine kinder mich "oida", was ich ihnen, wenig erfolgreich, abzugewöhnen versuche, sonst "babo", das empfinde ich als respektbezeugung.

dass mein sohn seinen freund, der aus nigeria stammt, als "my nigger" bezeichnet verkrafte ich nur, weil dieser herzhaft darüber lachen kann und ihn, im gegenzug, "my homie" nennt.

auch egal, denke ich - chill mal und gönn dir!

© Flaco