kids

ich bin mit vier jahren alleine mit dem autobus von wien in die ramsau gefahren, mit umsteigen in st.pölten. würden sie ihr kind das machen lassen?

meine damals zwanzig jahre junge mutter hatte den leuten im bus erklärt, dass ich in der hauptstadt niederösterreichs in den bus nach schladming umsteigen musste und mich zu meiner tante minna am fuße des dachsteins geschickt.

tante minna verbrachte dort jeden winter einige zeit. wenn ihr kleingarten in der grauen winterlichen nebelsuppe wiens versank, fuhr sie, sozusagen auf winterfrische. am dachstein glitzern die gletscher, der feine schnee macht sternchen, wenn man die bäume schüttelt und gegen die sonne schaut, das hat mir mein onkel werner gezeigt, der irgendwie aussah wie robert mitchum.

der schroffe dachstein ist der zweithöchste berg der nordalpen. im winter scheint dort die sonne oder es schneit. beides schön.

nachdem ich schon auf einem bein stehen konnte, war es, wie man damals dachte, zeit skifahren zu lernen (das hab ich dann auch recht gut in den folgenden jahren).

damals war die mordrate doppelt so hoch, es gab wesentlich mehr verkehrstote als heute, gegenüber unserer wohnung in meidling wohnten buben die schon mal beim fenster hinunter auf die straße schossen und es wurde zurückgeschossen (die "buam" sollten später zu einiger, zumindest lokaler, berühmtheit gelangen).

niemand würde heute unangegurtet mit einem schlechten auto, schlechten reifen, so gut wie unkontrolliert über schlechte straßen brettern oder aus fenstern schießen. trotzdem, wer würde heute sein vierjähriges kind mit dem bus alleine zu seiner tante minna in die ramsau schicken?

schade eigentlich. ich habe die winter sehr genossen und kann immer noch gut skifahren.

mit sechzehn bekam ich von meinem vater, auch weil er selber eines haben wollte, ein moped. eigentlich ein kleinmotorrad (ein entfesseltes moped mit einer höchstgeschwindigkeit jenseits der hundert - puch cobra gt). also begab ich mich mit meinem, damals noch keine dreizehn jahre alten bruder im sommer auf eine ausgedehnte österreich rundfahrt. über die steiermark an die kärtner seen, durch die alpen ins salzkammergut und über oberösterreich zurück nach wien.

die einzige bedingung meiner mutter war, dass wir alle zwei tage einmal zu hause anrufen. handys kannte man damals schon. kaptain kirk hatte eines und scotti auch.

ein zwölfjähriger und ein sechzehnjähriger, die mit dem motorrad zwei wochen durch die gegend ziehen, sich von dosenravioli ernähren und in scheunen schlafen.

würden sie ihre kinder das machen lassen? schade eigentlich - es war super.

mit siebzehn war ich dann mit meiner sechzehnjährigen jugendliebe ein monat in der türkei und die war damals noch viel weiter von europa entfernt als sie es heute ist. wunderschönes land und ehrliche, freundliche menschen.

man sollte seine kinder machen lassen, nicht alles, aber fast.

ich denke, der versuch risiko zu vermeiden erhöht es.

© Flaco