klammerschwung

gletscher bilden den größten süßwasserspeicher der erde, bestehen seit urzeiten, zu eis erstarrte reserven von lebensnotwendigem trinkwasser. jahr für jahr werden sie kleiner. man muß sie erhalten, nicht nur weil man auf ihnen ski fahren kann.

ein winter ohne skifahren ist heute noch ein unvollständiger, aber skifahren im sommer war damals purer luxus für mich.

als skifahren noch mehr als ein sport war, der bergbauernbub franz klammer gerade als "kaiser franz" zum unbestrittenen nationalhelden geworden war, war ich gerade mal dreizehn jahre alt, mitglied im ski club und fast soetwas wie süchtig nach skifahren.

ich freute mich darauf, in den sommerferien onkel kurt, den ich nicht nur für sein schnittiges auto, sondern auch dafür dass er skilehrer war, bewunderte, zu einem fortbildungskurs bei dem damaligen skipapst professor hoppichler, auf den gletscher am kitzsteinhorn begleiten zu dürfen.

ich war zwar kein skilehrer, aber ein guter skifahrer, so fuhr ich nach kaprun um bei einem skikurs für skilehrer mitzufahren, was besonders interessant war, da man gerade etwas erfunden hatte, das, etwas unbeholfen, als "klammerschwung" bezeichnet wurde.

dass dieser nach dem kaiser benannt ist, ist nur legende (zugegeben, eine schöne!). eigentlich heisst der schwung, der den gleichnamigen franz so berüchtigt und nahezu unbesiegbar machte, so ,weil man sich mit beiden skiern an den hang "klammert", indem man die aussenkante des bergskis und die innenkante des talskis belastet.

drehen- klammern, ein zweitakt schwung. gegenüber dem alten dreitaktschwung (beugen-drehen-strecken) hat das den vorteil, dass man in der hocke bleiben kann (wenn man es kann).

um beugen zu können musste man sich logischerweise vorher strecken. die enge skiführung hatte etwas von einem tanz, war zwar elganter, aber weniger dynamisch.

die neue, breitere, brachte mehr stabilität und tempo. eine technik die das skifahren und den skibau veränderte, die heute, als "carving", im rennsport und auf der piste standart ist.

als junior in begleitung eines skilehrers in einem dunklen gti mit dickem auspuff, einige paar ski im kofferraum, durch zell am see zu cruisen, war soetwas wie ein passierschein in die herzen der weiblichen gäste aus unseren lieblingsnachbarländern und ließen auch bei mir, in der beginnenden pubertät, eine ahnung davon aufkeimen, dass es auch andere körperliche tätigkeiten gab, die mindestens genau so viel spaß versprachen wie skifahren.

nach dem gletscher, baden in dem, von bergen umrahmten, zeller see, um später mit den anderen skilehrern in der disco zu "at the rivers of baylon" und "living next door to alice" mit den blonden mädchen zu flirten.

es war einfach genau das, was ich mir damals unter einem coolen sommerurlaub vorstellte.

skilehrer bin ich nie geworden, weil ich mich in meiner revoluzzer phase dem "trickskifahren", was man heute "freestyle skiing" nennt, zugewandt habe, aber das ist eine andere ge..

© Flaco