poon hill, täck und die welle

es klang wie der schrei eines kindes, der aus einem alptraum in seinen halbschlaf drang.

er öffnete die augen und bemerkte, dass sein vor dem bett winselnder hund täck ihm wohl diesen eindruck vermittelt hatte. der name war an dem hund hängengeblieben, auch wenn er sowas wie "kaputt" bedeutete. seit er dieses zitternde häufchen haut und knochen in seinem garten gefunden hatte nannten die thais den hund täck.

er lebte den größten teil des jahres auf dieser kleinen insel, an der der hauptstrom der touristen bis jetzt noch vorbei gegangen war, die nur von einigen langhaarigen, bärtigen jugendlichen in bunten gewändern heimgesucht wurde, die er mochte, weil sie ihn an die zeit erinnerten als er die ersten male in dieses land gereist war. das kleine haus mit garten, das angeblich ein holländer gebaut hatte, über den im dorf wilde geschichten kursierten, hatte er vor jahren schon günstig erwerben können. das gartenhäuschen genügte seinen bescheidenen ansprüchen, lag etwas abseits des strandes, etwas abseits des dorfes und doch nahe genug an beiden.

er stand auf um sich ein alka seltzer in eiskaltem wasser aufzulösen. der verrückte ire hatte ihn gestern mit mekong whiskey und singha bier kräftig abgefüllt, bevor er mit einem mädchen verschwunden war, das man in derry, aufgrund ihres alters, wohl für seine enkelin gehalten hätte.

er öffnete die türe. täk schoss laut bellend in den garten, durch das loch im zaun . manchmal machte er das, wenn junay sich näherte. seine haushälterin. eigentlich benötigte er keine haushälterin, aber das mädchen hatte bereits eine familie zu erhalten, ihre anwesenheit war ihm angenehm, er mochte die gemütliche ordnung im haus und ihr gehalt machte gerade so viel aus, wie ein abendessen für zwei in einem mittelmässigem lokal in wien.

von junay war nichts zu sehen. was also war in das vieh gefahren? er lief richtung poon hill. ein hügel, von dichtem urwald bewachsen. als er diese gegend das erste mal besuchte, hatten sogar die wasserbüffel noch angst vor weißen menschen, jetzt befand sich auf dem hügel eine holzplattform, auf der die langhaarigen jugendlichen nächtens gerne erfahrungen mit magischen pilzen sammelten. die wege auf den hügel erinnern eher an einen park, aber der feuchte jungle ist noch immer wunderschön und voll leben. was wollte täck dort um diese zeit? es tat ihm gut dem hund zu folgen. er begann langsam den kopf klarer zu bekommen. täck schien bellend bis zur plattform zu laufen. zu seiner überraschung lag er dort zusammengekauert und zitternd. er setzte sich schnaufend neben seinen hund der ihm die hand leckte und schaute auf das meer.

am horizont sah er eine linie, die er zuerst für eine große, dann für eine sehr große welle hielt, bis sie sich in ein riesiges monster aus wasser verwandelte, das alles verschlang was unter poon hill lag.

und es klang wie der schrei eines kindes der aus einem alptraum drang.

© Flaco