revolution, surrealismus und leberkäs

als der, von der jungen europäischen linken damals hochverehrte, hugo chaves, der sich in venezuela mit hilfe des militärs an die macht geputscht hatte, im rahmen eines lateinamerika gipfels, wien besuchte, habe ich von einer freundin, die bei der venezolanischen botschaft als sekretärin beschäftigt war, erfahren, dass er, auf einladung der gewerkschaftsjugend, eine rede in der wiener arena halten wird.

die "arena", ein ehemaliger schlachthof, der in den siebziger jahren von jugendlichen unter der führung von künstlern wie h.c. artmann, wolfgang bauer und dem, als "ostbahn kurti" bekannten, willi resetarits, besetzt wurde, ist seither das größte autonome veranstaltungszentrum der stadt.

ich mache mich also, mit meiner freundin brenda, vom cafe nachtasyl, wo wir uns getroffen hatten, auf den weg richtung arena.

brenda, die jemand, der sie nicht kennt, nicht ganz zu unrecht, für eine angegraute alkoholikerin halten würde, deren beeindruckende lebensgeschichte jedoch mehr als einen roman füllen könnte.

sie ist fotografin und malerin, war schülerin und freundin des katalanischen surrealisten salvador dali, dessen geschmolzene, an einem ast hängenden uhren zu den ikonen der malerei des letzten jahrhunderts gehören.

brenda teilte, im berühmten new yorker chelsea hotel, ein zimmer mit patti smith, der "mother of punk", zu ihren nachbarn zählten damals, unter anderem illustre persönlichkeiten wie henry miller und bob dylan. sie war mitglied der factory, ihr porträt von andy warhol hängt in der sammlung rupertinum in salzburg.

chavez, charismatischer redner wie immer, schafft es auch diesmal, unter tosendem applaus, eine seiner flammenden, revolutionären reden zu halten, ohne dabei substantielles auszusagen.

noch mehr beeindruckt mich die kurze vorrede, einer sympathischen älteren dame aus argentinien, die sich als schwester che guevaras entpuppt.

ich bedauere jeden, der in seiner jugend nie ein shirt mit dem berühmten porträt des bärtigen che mit barett und rotem stern getragen hat. nun stehe ich also tatsächlich wenige meter neben seiner leibhaftigen schwester.

nach der veranstaltung biete ich ihr an, sie in die stadt zu fahren, was sie, zu meiner überraschung, auch gleich annimmt. da ich gut und gerne spanisch spreche und es unterlasse sie über ihren berühmten bruder auszufragen, unterhalte ich mich mit alaida über die gemeinsamkeiten von buenos aires und wien. als wir feststellen, dass wir alle noch hungrig sind, mache ich das, was man in wien, in so einer situation, typischerweise macht und halte an einem würstelstand.

ich weiß nicht, ob das nachvollziehbar ist, aber ich bin unheimlich stolz und dankbar einmal diesen galionsfiguren des zwanzigsten jahrhunderts so nahe gekommen zu sein, wie an jenem abend, als ich eine freundin salvador dalis und die schwester che guevaras auf leberkäse und ottakringer bier einladen durfte.

© Flaco