rungu

den ersten massai lerne ich in nairobi kennen. ein freundlicher junger mann in jeans und hemd, modische frisur, taxifahrer, als moron (krieger) nur erkennbar an seinen langen ohrläppchen, verursacht vom typischen ohrschmuck und an dem im auto mitgeführten rungu.

ein hartholzstab an dessen ende sich ein wurzelknoten befindet. eine keule, die jeder moron besitzt, von der sich selbst jene nicht trennen, die bereits weit ab von ihrer stammeskultur leben.

ich habe vor, von nairobi aus, richtung äthiopien, in das stammesgebiet der samburu (schmetterlinge) zu reisen , ein clan der massai, der noch streng so lebt, wie er es seit immer tut, also fange ich ein gespräch mit dem jungen mann an.

er nennt sich jack, nicht der name mit dem ihn seine mutter ruft, aber in einer großstadt möchte er nicht sofort als "wilder" erkennbar sein, weil man dort den massai weniger bewunderung entgegenbringt als im fernen europa. sie als diebe bezeichnet.

traditionell lebende betrachten jedes rind als ihr eigentum, fühlen sich dafür verantwortlich, nehmen sich nur was ihnen, ihrer ansicht nach, gehört.

obwohl sie sonst immer ihren speer tragen, tauschen manche massai ihn, zu diesem zweck, auch mal gegen eine automatische waffe.

jack hat einen cousin in nairobi, zum rest seiner familie keinen kontakt mehr, kann nie wieder zurück in sein dorf. sie würden ihn schon deswegen töten, weil er eine kikuyu zur frau genommen hat. massai betrachten sich selbt als den edelsten aller stämme und ihn als verräter.

ich war bei den "schmetterlingen", diese großen, bemalten menschen, mit gefärbten haaren, vielfältigem bunten körperschmuck, speer und rungu.

männer die sklavinnen halten und ihren mädchen, vor der hochzeit die schamlippen abschneiden lassen, die wunden mit dornen vernähen, das blut ihrer tiere trinken und einen löwen mit einer keule und einem speer töten können.

jemand der in afrika ein beachtliches vermögen, in form hunderter rinder, besitzt, könnte ein anderes leben führen. sie leben so, weil sie es für die höchste lebensform halten.

obwohl sie sich gerne einen tagesmarsch durch die savanne ersparen, indem sie in einem jeep mitfahren, haben sie mich oft spüren lassen, was sie von mir halten.

ich habe zeit mit den samburu verbracht, ihren sprichwörtlichen "stolz" auch bewundert, aber die grenze zwischen stolz und überheblichkeit ist schwer zu ziehen und wir sind nicht wirklich freunde geworden.

auf mein rungu, das ich im tausch gegen vitamintabletten erhalten habe, bin ich trotzdem stolz.

es mag in mombasa üblich sein, dass massai sich für geld fotografieren lassen. einen samburu moron zu fotografieren führt dazu, zu erfahren, wie gut er mit seinem rungu umzugehen weiß.

als sie glauben ich würde eine ihrer kühe fotografieren bewerfen sie mich mit steinen. ich konnte gar nicht fotografieren, denn meine kamera war mir, zum glück, bereits in nairobi gestohlen worden,

aber das ist eine andere geschichte.

© Flaco