so ein holler!

draussen ist es kalt, in mir auch. irgendwie hat mich die chemotherapie heute schlimmer erwischt als sonst.

auch wenn mein hündin besonders feinfühlig für meinen zustand ist, muß sie doch in nächster zeit unbedingt mal vor die türe, also beschließe ich eine von den zigaretten, marke "bob marley", zu rauchen.

das mag zwar nicht ganz legal sein, verbessert aber zumindest für die nächsten stunden, ganz erheblich meine laune, vertreibt düstere gedanken, steigert meinen appetit und erspart mir einiges an chemischen keulen zu denen ich ganz legalen zugang habe.

wenig später spaziere ich entlang des liesingbaches, die frische luft tut gut, da ich viel wasser trinke um die gifte, die in meiner blutbahn zirkulieren auch wieder herauszuschwemmen, meldet meine blase ein dringendes bedürfnis. ich suche einen platz hinter einem hollerbusch. nachdem ich mich erleichtert habe, packt mich das unerklärliche gefühl, dass sich um den busch und mich ein nebel bildet, der mich aufnimmt.

erstaunt trete ich kurz zwei schritte zurück und betrachte die dichte wolke die den kleinen baum umhüllt von außen, auch wenn ich meiner wahrnehmung, in diesem zustand, nicht völlig vertraue, trete ich wieder hinein. die gefühle die mich in diesem moment durchströmen kann ich eigentlich nicht beschreiben.

gesehen, verstanden, geprüft und angenommen, unendlich erleichtert trete ich irgendwann wieder aus dieser atmosphäre heraus und bin mir zum ersten mal sicher, dass ich diesen schwierigen lebensabschnitt hinter mir lassen werde, weil, so seltsam es klingen mag, etwas beschlossen hat, dass es so sein soll.

am nächsten morgen beginne ich nach hintergründen für mein abendliches, mystisches erlebnis zu suchen. durch meine tätigkeit als fremdenführer, kenne ich einige heiligengeschichten und erinnere mich, dass der hollerbusch eine wichtige rolle in der vita des ehemaligen landespatrons österreichs, dem heiligen koloman spielt, der als irischer pilger, auf der durchreise für einen böhmischen spion gehalten und an einem hollerbusch erhängt wurde, der daraufhin im oktober zu blühen begann. so weist die darstellung eines blühenden hollerbusches auf altären meist auf diesen heiligen hin.

wie viele christliche symbole wurde aber auch dieses aus vorchristlicher zeit übernommen, die hollerblüte war bei den kelten, die um vierhundert v.chr. unseren raum besiedelten, ein symbol für frau perchta. eine muttergöttin die die natur beherrscht und der besonders im winter gehuldigt wurde, die in den ländlichen perchtenläufen und als "frau holle" in der märchenwelt bis in unsere zeit überlebt hat.

das alles gibt mir die gewissheit, dass ich offensichtlich mit einer kraft bekanntschaft gemacht habe, die menschen seit jahrtausenden in irgendeiner form beschäftigt.

im burgenland gibt es den spruch "vurm holla ziagt man huad!"

das tue ich immer wieder mal, vor einem holler an der liesing mit dem mich viel verbindet.

© Flaco