Auf nach Petra

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Auf nach Petra | story.one

Schon früh machen wir uns auf den Weg, verabschieden uns von unseren tollen Gastgebern im Black Iris Hotel in Madaba und fahren diesmal über den Wüstenhighway nach Süden. Die Straße ist vierspurig und gut ausgebaut. Immer wieder gibt es Baustellen und die Spuren werden verengt auf der Gegenfahrbahn geführt. Es ist Überholverbot, 60er Beschränkung angeschrieben. 120 km/h wird gefahren und auch gerne dreispurig überholt. Der Gegenverkehr muss halt aufpassen. Was anfangs doch recht irritiert, wird schnell zur Routine und man passt sich an. Die Landschaft um uns macht dem Namen der Straße Ehre, Wüste umgibt uns, ab und zu eine kleine Stadt. Auch sehr reizvoll!

Wadi Musa, die Stadt die dem antiken Petra vorgelagert ist, liegt idyllisch in einer Senke und zieht sich an den Hügeln hinauf. Unsere Unterkunft liegt hoch über Petra. Allerdings können wir sie nicht finden. Das Navi hat uns hingebracht, aber keiner kennt sie. Wir irren durch den Ort. Keiner weiß was vom "Why Not Bedouin Home", kein Aushängeschild. Die Verständigung ist nicht mehr so einfach wie im Norden. Ein Passant erklärt nach Gestenkommunikation bereit anzurufen, kann auch den Vermieter erreichen. Er bietet an herauszukommen. Es dauert erneut lange bis er dann wirklich auftaucht, ein etwas verschlagen wirkender Mensch in schmuddeliger Jogginghose und Schlabbershirt, der sofort ohne Punkt und Komma zu reden beginnt. Wir stehen quasi vor dem Haus, die ganze Zeit. Im Treppenaufgang stinkt es wie im Eselstall. Wir müssen in den 3. Stock. Das Haus ist noch in Bau. Eigentlich sind nur die beiden Wohnungen im 3. Stock fertig, seine Wohnung und unsere. Unsere Unterkunft ist ein Zimmer mit vier Betten mit Gemeinschaftsbad und Gemeinschaftraum. Letzterer ist sehr gemütlich eingerichtet, das Bad weniger einladend, das Zimmer einfach aber zweckmäßig. Es gibt weiter zwei Zimmer. Der Gastgeber ist eine Quasselstrippe. Er versucht uns auch gleich Touren aufs Auge zu drücken, von ihm organisiert natürlich. Wir wollen aber alleine losziehen. Nach einem unglaublich beeindruckenden, langen und anstrengenden Marsch durch Petra kehren wir im Ort ein, was sich als Fehler erweist. Das Essen ist schlecht, die Portionen klein und die Preise überteuert. Selber schuld, das war eigentlich klar. Niemals in einem Touristenzentrum essen, außer es gibt eine Empfehlung.

Wieder zurück in der Unterkunft ist diese bevölkert mit dem Gastgeber, vier jungen Deutschen (2 Pärchen) und zwei französischen jungen Frauen. Der Vermieter hat sichtliches Interesse an den 4 jungen Frauen und läuft zu Höchstform auf. Uns fehlt ein Handtuch und ich bitte darum. Er liegt aber gerade auf dem Sofa, Füße auf der Lehne und setzt sich in Szene, hat also keine Zeit. Er zeigt allgemein sehr wenig Interesse an uns, außer ihm kommt ohnehin niemand zu Wort. So ziehen wir uns bald zurück. Frühstück soll es um 8 Uhr geben... gut wir lassen uns überraschen!

© Fleckerlteppich 15.05.2019