Wadi Mujib, Kreuzritterburg Kerak

Vom Toten Meer geht es weiter in Richtung Süden, immer am Toten Meer entlang. Hotelreihen wechseln mit zerklüfteten Steilküsten und traumhaften Ausblicken auf das diesige Meer mit zeitweise durchbrechenden Sonnenbalken.

Unser Ziel ist das Wadi Mujib. Es soll ein herrlicher Flecken Erde sein, ein Canyon in dem man wandern kann und das kühle Wasser in unberührter Natur genießen kann. Der Grand Canyon Jordaniens. Sein Endpunkt liegt 410 m unter dem Meeresspiegel. Schon beim Parken können wir einen Blick in das wilde Tal erhaschen und die Vorfreude beflügelt uns. Aber nur kurz, denn an der Kasse wird uns nun mitgeteilt, dass das Tal geschlossen ist, zu gefährlich, es werden Regenfälle erwartet. Aus der Traum. Freundlicherweise dürfen wir wenigsten einen Blick von der Brücke hinein werfen.

Weiter geht es über eine abenteuerliche Bergstraße am Wadi entlang, über Berg und Tal. Es ist kein Grün mehr zu sehen, abgesehen von kleinsten Pflänzchen, die aber den Ziegen wohl genug Nahrung sind, denn wir treffen sie überall. Ein Schäfermischling sitzt angekettet in einer Höhle. Sie scheint extra für ihn gehauen worden zu sein. Der Besitzer versucht uns in seinen Laden zu locken, der an der Straße liegt. Wir fragen ihn, warum der Hund so kurz angekettet ist. Er meint, weil er so böse und gefährlich ist. Der Hund ist sehr jung und verspielt, freut sich sehr über Streicheleinheiten und versucht zu spielen, was mit der kaum 1 m langen Kette misslingt. Er dient vermutlich als Publikumsmagnet. In unserem Fall hat es die gegenteilige Wirkung.

Über die Königstraße gelangen wir schließlich nach Kerak, ein Städtchen, das am Bergeshang zu hängen scheint wie ein Bienenschwarm. Über ihm thront die alte Kreuzritterburg mit grandiosem Rundblick. Moabiter, Assyrer, Nabatäer, Römer, Byzantiner und Araber nutzten sie als Zentrum der Macht. In der Bibel erscheint sie unter dem Namen Kir- Moab.

Auf der Festung gab es 2016 einen Terroranschlag bei dem viele Polizisten und drei Zivilisten zu Tode kamen. Deshalb gibt es heute an allen großen touristischen Einrichtungen aufwändige Kontrollen.

Im Souk Keraks finden wir wieder feine Falafel und einen weithin duftenden Gewürzladen. Über die Königsstraße, dem 4000 Jahre alten Höhenweg von Norden ans Rote Meer, der von jeher dem engen und unsicheren Jordantal vorgezogen wurde, fahren wir durch kleine Dörfer und über unzählige "schlafende Polizisten" ein letztes Mal zurück nach Madaba. Ein weiteres jordanisches Mahl wartet auf uns, Huhn im Ofen gebraten, himmlisch gewürzt.

© Fleckerlteppich