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#whatislove#normalanders

Doppelt hält besser

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Doppelt hält besser | story.one

„Ich glaube, das will ich auch …“ N, meine beste Freundin, schaute verdutzt zwischen mir und der Polterrunde hin und her und ich korrigierte mich: „Nein, nicht poltern, aber heiraten!“ „Du?“ „Schwer zu glauben, ich weiß, aber mit ihr kann ich es mir vorstellen. Schade, dass wir das nicht können.“ „Warum nicht?“ Jetzt starrte ich sie verständnislos an und setzte gerade dazu an, über Gesetze zu sprechen, die dazu noch beschlossen werden müssten, als sie weitersprach: „Ihr könnt doch eure persönliche Zeremonie machen.“ „Wie meinst du das?“ „Warum willst du sie überhaupt heiraten?“ „Ich will der ganzen Welt zeigen, dass wir zusammengehören, will das vor Freunden und Familien aussprechen, will mich zu ihr bekennen. Ganz einfach unsere Liebe feiern.“ „Dafür brauchst du kein Gesetz, nur eine gute Zeremonienmeisterin. Überleg es dir, ich würde das für euch machen!“ „Wenn es eine Frau schafft, dass ich, die nie eine Freundin des Heiratens war, mit diesen Überlegungen spiele, dann sollte ich auch Nägel mit Köpfen machen.“ Der Gedanke hüpfte vor Freude in meinem Kopf herum und es fühlte sich unglaublich stimmig an. Noch in derselben Nacht rief ich sie an und machte ihr am Telefon einen Antrag. Ja, ich weiß, furchtbar unromantisch und vielleicht zu spontan, aber aus tiefstem Herzen. Ihr verdutztes „Ja“ habe ich heute noch im Ohr. Spätestens nachdem ich die Idee mit der Zeremonie ausgeführt hatte, wurde daraus ein überzeugtes „Ja!“ Nicht mal 6 Monate später fand unsere Versprechensfeier in der Universität statt, dem Ort, an dem wir uns kennengelernt hatten. Das Budget war gering, aber das störte uns nicht. Viel wichtiger waren die kleinen Gesten und die großartige Unterstützung, die wir von so vielen Seiten erfuhren: Die Hochzeitstorte kam von einer Studienkollegin, die Wirtsleute unseres Studibeisls hübschten das Lokal kaum wiedererkennbar auf, meine Mutter organisierte das Buffet und zu guter Letzt war die Raummiete das Hochzeitsgeschenk der Universitätsdirektorin – welch große Geste! Die Zeichen standen auf Grün für unser „Ja“ am 26.10.2007, das wir mit Liebe aussprachen und im Anschluss mit einem rauschenden Fest feierten.

In den Jahren danach blieben der Wermutstropfen, unsere Verbindung nicht amtlich machen zu können, und die Hoffnung, die Ehe für Alle würde bald realisiert werden. 12 Jahre musste dieser Wunsch auf seine Erfüllung warten und als es endlich so weit war, konnte ich es im ersten Moment gar nicht glauben. Wir würden tatsächlich nochmal heiraten! Auf über 1200m ließen wir in tollem Ambiente bei über 20° C (und das Mitte Oktober), mit strahlendem Sonnenschein, standesamtlich und mit einer Segnung ein zweites Mal unsere Liebe hochleben! Wie schon das erste Mal fügte sich bereits bei der Organisation alles perfekt zusammen und es fühlte sich an, als würde wieder alles um uns herum und selbst das Universum „Ja“ zu uns und unserer Hochzeit sagen. Es war unbeschreiblich, bezaubernd und wunderschön!

© FlohL 2020-10-26

LGBTQ+

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