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#1sommer1buch#freundschaft#whatislove

Friends will be friends

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Friends will be friends | story.one

Ich lernte sie in einer Jugendgruppe kennen. Sie war die Leiterin. Sie war zwei Jahre älter. Sie ging in die gleiche Schule. Sie faszinierte mich von Anfang an. Ihre blauen Augen standen in einem so wunderbaren Kontrast zu ihren schwarzen Haaren. Wie hätte sie mir auch nicht auffallen und mir nicht den Kopf verdrehen können. Zu Beginn war es schwierig, mit ihr in Kontakt zu kommen, sie war in der Gruppe verankert und ich eine der Neuen, der „Kleinen“. Hartnäckig ging ich zu jedem Treffen, zu jeder Veranstaltung, meldete mich freiwillig für Vorbereitungen und wurde damit belohnt, dass ich immer öfter mit ihr ins Gespräch kam. In einem dieser Gespräche entdeckten wir ein gemeinsames Hobby: Mit dem Fahrrad über Stock und Stein den Bezirk erkunden. Und wer hätte es gedacht, sie lud mich ein, einmal gemeinsam eine Runde zu drehen. Mein Herz hüpfte vor Freude – davor, währenddessen und danach erst recht. Aus der einen Radtour wurden mehrere, aus mir „Kleinen“ jemand auf Augenhöhe, aus der losen Bekanntschaft eine Freundschaft und aus dem verdrehten Kopf tiefere Gefühle. Leichter wurde es dadurch nicht für mich, aber intensiver und schöner. Immer wieder stellte sich mir die Frage, ob ich mich ihr offenbaren sollte – die Furcht vor einer möglichen Ablehnung war zu groß und hielt mich zurück.

Eines Tages waren wir gemeinsam bei einer großen Feier in der Gemeinde. Es war sommerlich warm und wir beschlossen mit einem Glas Spritzer ein ruhiges Plätzchen unter einem großen, Schatten spendenden Baum aufzusuchen. Im Rausch des Festes und des Alkohols kamen wir auf die Idee „Bruderschaft“ zu trinken. Dabei würden wir uns gegenübersitzen, die Arme ineinander verschränkt haben, unser Glas in einem Zug leeren und uns danach ein Küsschen auf die Wange geben. Ich zitterte, als ich mich bei ihr unterhakte und konnte kaum einen Schluck machen, so nervös war ich vor dem, was noch kommen sollte. Als es endlich so weit war und sich unsere Gesichter einander näherten, sahen wir uns lange in die Augen und bevor unsere Lippen die Haut der anderen berühren konnten, wurden wir unterbrochen. Der Zauber war augenblicklich verflogen.

Was blieb, war die Gewissheit, dass ich ihr meine Gefühle gestehen wollte, anders würde ich eine Freundschaft – so sie danach noch eine war – nicht führen können. Meiner Art entsprechend wählte ich den schriftlichen Weg, um das zu sagen, was mich bewegte; nicht ohne die Angst, sie zu verlieren. Den Brief ließ ich über eine Botin „zustellen“ und wartete, in der festen Überzeugung einen Korb zu bekommen, auf eine Reaktion. Sie stammte aus einem tiefgläubigen Elternhaus und in meiner Vorstellung konnte sie sich deshalb nur von mir distanzieren. Drei Tage später überreichte sie mir mitten am Schulhof ihre schriftliche Antwort. Ja, es war ein Korb, aber der wohl netteste, den ich je bekommen habe. Und nein, sie distanzierte sich nicht, denn ihr Brief schloss mit den Worten: „Friends will be friends!“ Daran hat sich bis heute nichts geändert!

© FlohL 2020-09-15

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