skip to main content

#selbstverwirklichung#leidenschaft#kunst

Verkauft

  • 192
Verkauft | story.one

Ein „Hallo!“ nach rechts. Ein „Servus!“ nach links. „Schön, dass du da bist!“ nach rechts. „Herzlich willkommen!“ nach links. So „arbeitete“ ich mich durch den überdachten Patio und die restlichen Räumlichkeiten. Es waren unglaublich viele Menschen gekommen. „Diese Bilder sind ein Wahnsinn!“ vernahm ich im Vorbeigehen und quittierte mit einem „Dankeschön!“ „Wie bekommst du diese Bildsprache hin? Was ist dein Geheimnis?“ Im ersten Moment war ich überfragt und schaute etwas fassungslos auf mein Gegenüber, bevor ich antwortete: „Die Aussage meiner Bilder entsteht durch Komposition. Ausschnitt, Licht und Farben komponiere ich zu einem Ganzen und dann drücke ich ab.“

Gespannt darauf, was als Nächstes kommen würde, schlenderte ich weiter, ein Sektglas in der Hand.

„Grüß Gott, Frau Professor! Ich freue mich sehr, dass sie gekommen sind.“ Meine Mittelalterprofessorin war ganz vertieft in ein Foto, auf dem nur zwei Stockwerke einer Häuserreihe zu sehen waren. „Also Frau L, nachdem ich mir ihre Bilder angesehen habe, weiß ich endlich, warum meine Urlaubsfotos nie begeistern, sie zeigen zu viel. Ein kleiner Ausschnitt ist spannender und fesselnder. Danke für diese Erkenntnis.“ Schüchtern lächelte ich und meinte: „Ab und zu ist es gut, die Perspektive zu wechseln, einen anderen Blickwinkel – das war namensgebend für die Ausstellung – einzunehmen.“ „Ah, deshalb dieser gelungene Titel!“ Ich nickte. „Deshalb und Sie wissen schon: Es sind Architekturfotos.“ Sie musste lachen. „Auf jeden Fall“, schickte sie begeistert nach, „gratuliere ich ihnen ganz, ganz herzlich zu ihrem Debüt. Da dürfen wir uns noch auf einiges freuen, wenn sie so weitermachen.“ Wow, welch großes Kompliment! „Dankschön“, brachte ich gerade noch hervor, bevor unser Gespräch unterbrochen wurde.

„Floh, Floh“, eine Freundin eilte aufgelöst herbei, „auf einem deiner Bilder klebt der erste Sticker!“ „Wirklich?“ „Ja, komm mit und sieh es dir an.“ Ich folgte ihr in einen Raum nebenan und tatsächlich: Auf meinem Lieblingsbild der Ausstellung klebte ein weißer Sticker mit der Aufschrift „Verkauft.“ „Weißt du, wer das war?“ „Nein, leider, keine Ahnung, aber der Organisator hat die Liste.“ Sie war schon auf dem Weg zu ihm und für einen Augenblick war ich ganz alleine inmitten dieses Raumes, vor mir mein erstes verkauftes Bild in meiner ersten Fotoausstellung. Ungläubig schüttelte ich kaum merklich den Kopf, da kam meine Freundin zurück und nannte mir den Namen. Mir wurde warm ums Herz, als ich ihn hörte und ich machte mich sofort auf die Suche nach der Person.

Beim Buffet traf ich sie. „Danke, Mama!“ „Wofür?“ „Du weißt schon, das Bild mit dem blauen Himmel …“ „Wenn du mal berühmt bist, dann will ich das erste Foto von dir im Wohnzimmer hängen haben!“ Während ich sie umarmte, raunte sie mir zu: „Außerdem kurbelt das den Verkauf an, wenn mal eines weg ist.“ Wir mussten beide lachen und sie hatte recht: Am Ende der Ausstellung klebte auf mehreren Bildern „Verkauft!“

© FlohL 2020-11-12

leidenschaftselbstverwirklichung

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um FlohL einen Kommentar zu hinterlassen.