„Spockern“

Diese Geschichte handelt von meiner Oma, Theresia O. Sie ist 77 Jahre alt und lebt in Taxenbach, wo sie am 9. März 1941 auf einem Bergbauernhof geboren wurde. Sie war das einzige Mädchen unter ihren 7 Geschwistern. Leider sind schon einige ihrer Brüder verstorben.

Meine Oma kam 1947 in die 1. Volksschule St. Georgen, zu dieser Zeit wurde sogar noch mit Schiefertafeln geschrieben. Im Herbst mussten alle Schüler zwei Tage Holz stapeln, um für warme Schultage im Winter zu sorgen. Zu Weihnachten gab es dann die ersten Schulhefte für die Kinder, deren Papierqualität jedoch so schlecht war, sodass man kaum schreiben konnte. Da die meisten Kinder sehr weite Schulwege hatten, gab es in den Klassen Öfen, wo man nasse Kleidung aufhängen konnte. In den Schulpausen gab es sehr viele lustige Spiele, die man am großen Schulhof spielen konnte und die meiner Oma und ihren Freunden Freude bereiteten, wie zum Beispiel ,,Schwarze Köchin“, „Dornröschen“ oder „Vogelkauf“. Theresia ging acht Jahre in die Volksschule, wie auch viele andere Bauernkinder, da sie die Hauptschule nicht besuchen durften. Im letzten Schuljahr gab es für alle Kinder, die auf einem Bauernhof lebten eine sogenannte „Sommer-“ oder „Herbstbefreiung“, um zu Hause am Hof mitzuarbeiten. Mit 14 Jahren schloss man zu dieser Zeit auch seine Schulpflicht ab.

Nach anstrengenden Schultagen ging sie nach Hause, dort bekam sie ihr Mittagessen, meist traditionell und einfach, es gab jedoch sehr wenig Fleisch bzw. nur an Feiertagen oder besonderen Ereignissen. In ihrer Freizeit musste sie sich viel mit ihren Brüdern beschäftigen oder im Haushalt mithelfen, jedoch fand sie noch genug Zeit, um zu spielen, auf Bäume zu klettern oder ins Stroh zu hüpfen. Eines ihrer Lieblingsspiele war das sogenannte „Spockern“ oder auch Murmel spielen genannt. Um 15:00 gab es „Untern“, eine weitere Mahlzeit, hier verspeiste man Knödel, Nudeln oder Suppen.

Das Geld war früher ein recht „heikles“ Thema, es gab nicht viel, aber trotzdem genug, um davon zu leben. Zu Lichtmess gab es etwas ganz Besonderes, die Kinder wurden mit 100 Schilling belohnt, jedoch ermahnt, fleißig am Hof mitzuhelfen.

© Flora Oblasser