Er

Er schläft zusammen gekauert auf der Couch. Im Fernseher läuft irgendein Fußballspiel. Neben ihm liegen Bücher und Zettel mit Notizen über den Boden verstreut. Die langen Haare verdecken sein Gesicht. Er hat seit Tagen die Klamotten nicht mehr gewechselt. Sein T-Shirt riecht nach Schweiß. Seine Hose ist mit bunten Farbspritzern übersät.

Sein Bart ist lang und verfilzt. Unter seinen Augen zeigen sich tiefschwarze Augenringe. Die Hände voller Farbtupfer. Die Fingergelenke sind geschwollen. Unter den Fingernägeln, der Dreck der letzten Tage.

In einer Ecke lehnt eine alte Gitarre. Genau zwischen Klavier und Staffelei. Die letzten Wochen hat er mit Ihnen verbracht, wenn er nicht gerade am Schreibtisch saß um Gedichte zu schreiben. Sein Smartphone findet er nicht mehr, obwohl es irgendwo sein müsste. Aber der Akku ist wohl leer und nicht mehr aufgeladen worden.

Es ist ihm so egal.

Früher nicht. Früher brauchte er es, falls Freunde anriefen. Heute hat er keine Freunde mehr. Sie haben ihn aufgegeben. Er will nicht raus. Sie wollen nicht mehr rein.

Früher war vieles anders. Er hatte einen Job. Und Ziele. Eine Zukunft, wie man das so allgemein nennt.

Früher war er gut aussehend. Gepflegt. Schlank. Beliebt.

Früher war er nicht er selbst.

Heute schläft er. Er schläft den Schlaf unschuldiger Kinder. Den reinsten und tiefsten Schlaf. Er hat ein Lächeln auf den Lippen.

Er hat geschrieben.

Er hat gemalt.

Er hat gespielt.

Wenn er wach wird, wird er es wieder tun.

Und wieder.

Und wieder.

Und wieder.

Für immer.

Wenn er wach wird, wird es still sein.

Und er wird glücklich sein.

© Florian Hauenschild