Wanna have some good time?

Der Februar ist in Österreich ja eher ein "zacher" Monat. Es ist kalt und der vor Kurzem noch so schöne weiße Schnee verwandelt sich langsam, aber beständig in einen grauslichgrauen Gatsch.

Im indischen Goa hingegen hat es um diese Zeit angenehme 25 Grad und die Sonne scheint von einem treibhausdiesigen Himmel herab. Die Luft ist feucht und warm. Sediert von dieser Umgebung, döse ich auf einer Liege neben dem Pool des Hotels, wo mein Onkel Klaus uns untergebracht hat.

Ein paar Liegen weiter fangen zwei Mädchen zu tratschen an.

"Siehst du den Typen da drüben?", fragt die eine.

"Welchen?"

"Na den in der blauen Badehose. Den dicken Typen da. So was ekelhaftes. Guck dir die Wampe an!"

Ich erschrecke. Erstens, weil es das erste Mal seit Tagen ist, dass ich jemand anderen, außer meinem Onkel und meinen Cousin, Deutsch sprechen höre. Zweitens, blaue Badehose? Ich trage doch eine blaue Badehose. Und überhaupt drittens, wer ist hier dick?!?

"Jetzt sei doch nicht so. Ich find den ganz schnuckelig", erwidert Mädel Nummer 2.

Schnuckelig? Das wird ja immer besser.

Noch bevor ich mir überflüssige Gedanken machen kann, reißt mich mein Cousin Klausi aus meiner Trance: "Du Florian? Wir gehen zum Strand. Kommst du mit?"

Ich nicke und schäle mich aus der Liege. Mein Onkel kommt gut gelaunt zwischen zwei Palmen hervor: "Na? Gut geschlafen?"

Noch leicht tramhappert grummle ich ein "Jaja" hervor.

Als wir uns auf den Weg machen, gehe ich an den Liegen der beiden Tratschtanten vorbei, setze ein picksüßes Lächeln auf und grüße: "Hallo Mädels."

Die beiden gaffen mich an, als würden sie ein Marsmännchen sehen.

Als ich an den beiden vorbei bin, höre ich Mädel Nummer 2 gerade noch ein "Du bist so eine blöde Kuh!" flüstern.

Auf unserem Weg Richtung Strand schlendern wir durch eine Straße voll bunter Buden und Verkaufsstände in denen gefälschte Taschen, gefälschte Gürtel und gefälschte Fußballtrikots verkauft werden. Klausi zeigt auf einen der Plastikfetzen, der ein Brasilien-Shirt darstellen soll: "Das passiert also mit den Billa-Sackerln, wenn wir sie wegschmeißen."

Als wir durch sind, stehen wir auch schon vor dem Eingang des Strands. Ein Inder mit blutunterlaufenen Augen nähert sich uns. Er hat weiße Papierröllchen in den Händen und fängt mit heißerer Stimme zu singen an: "Marihuana? Wanna have some good time?"

Ich schüttle den Kopf und der Mann verschwindet. Mein Cousin blickt ihm nach: "Irgendwie lustig. In Italien Coco Bello, in Indien Marihuana."

Wir setzen uns auf eine der vielen Bänke am Strand. Onkel Klaus schießt Fotos von uns und von der blutroten Sonne. Dann packt er die Kamera wieder weg und marschiert Richtung Strandbar um drei Biere zu holen.

Plötzlich spaziert eine Kuh daher und beginnt vor uns in einem Müllhaufen zu wühlen. Niemanden scheint das zu stören oder gar zu wundern. Als sie eine leere Chipspackung gefunden hat, geht sie mit dieser im Maul teilnahmslos weiter.

Ich schaue ihr noch lange nach, während die Sonne langsam im Meer versinkt.

© Florian Hauenschild