Schau mal, was die hier trinken!

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Schau mal, was die hier trinken! | story.one

Urlaub in Pula. Ein Traum. Wunderschöne Strände. Tolles Essen. Großartige Innenstadt. Aber erst, muss man da mal hinkommen. Nach einer knapp siebenstündigen Autofahrt rumpeln wir aus dem Auto. Eine unglaubliche Hitze umarmt uns wie zähe Lava. Jeder ist übermüdet und will sich endlich hinlegen. Die Villa, die wir gemietet haben, ist aber noch nicht bezugsfertig. Stimmung am Nullpunkt und das bei knapp vierzig Grad.

"Jetzt fahrma mal frühstücken und einkaufen", schlägt Alex vor. Gute Idee. Wieder rein ins klimaanlagengekühlte Auto und ab zum nächsten Supermarkt. Dort gibt's erstmal Kaffee und frisches Gebäck. Das baut auf. Danach ist Shopping angesagt. Wir benötigen hauptsächlich Grundnahrungsmittel. Also Bier, Kaffee, Wasser und Zigaretten. Jeder von uns vier müden Kriegern ist mit einem Einkaufswagen bewaffnet und macht die Gänge unsicher. Als wir am Obst vorbeikommen, packt uns das schlechte Gewissen. Ein bisschen gesunde Ernährung muss drin sein. Also schnappen wir uns eine Melone in der Größe eines Medizinballs und gehen weiter. Nach Gebäck, Knabberzeug und anderem aus den Ohren staubenden Zeug kommen wir endlich ins gelobte Land. Eine riesige Bier- und Spirituosenwelt eröffnet sich vor uns. Wir füllen ein, was die Wagerl hergeben. Eine Woche will schließlich überstanden werden. Nach ein paar weiteren, als unbedingt notwendig abgestempelten Sachen (Pflaster, Klopapier etc.) wollte ich schon zur Kasse gehen, als ich hinter mir meinen Neffen schreien höre: "ONKEL! KOMM SCHNELL HER!"

Die Leute im Supermarkt schauen erschrocken in unsere Richtung. Überfall? Ein Menschenleben in Gefahr? Nein, nur ein paar Depperte. Alles in bester Ordnung. Ich gehe zurück. Julian, Alex und Benni stehen wie kichernde Schulmädchen vor dem Limonadenregal."Schau Onkel, was die hier trinken!" Mein Neffe hält mir eine Plastikflasche mit einer grellorangen Flüssigkeit hin. Auf dem Etikett eine lächelnde Cartoonfigur, die aus einer Orange trinkt. Daneben der Name des Gesöffs: Pipi.

Ich schüttle den Kopf und blicke in die Runde, die mit hochroten Köpfen grinst. Als ich die Flasche zurückstellen will, reißt Julian mir diese aus der Hand: "Nein! Die nehmen wir mit!" Ein Angestellter blickt neugierig in unsere Richtung. Ich blicke ihn an. Er schaut sofort wieder weg. Meine Kollegen kommen aus dem Kichern nicht mehr raus: "Hihi! Die Kroaten trinken Pipi!"

Bei der Kassa würdigt die Kassiererin unseren Haufen keines Blickes. Ich bin froh, als wir wieder im Auto sitzen und zurück zur Villa fahren. Die allgemeine Erheiterung über Pipi reißt nicht ab. Endlich ist die Unterkunft bereit für uns. Wir laden unsere Einkäufe aus und der Vermieter macht, aufgrund der Unmenge an Bier, große Augen. Dann sieht er allerdings das Corpus Delicti: "Aah! Pipi. Very nice!"

Meine Amigos explodieren vor Lachen. Der Vermieter blickt mich stutzig an. Jetzt kann auch ich mir das Lachen nicht verkneifen. Ich schüttle nur den Kopf und sage: "Nevermind."

© Florian Hauenschild