Sie

Sie steht, mit dem Rücken zu mir, am Fenster. Die Sonne lässt die kalten Betonbauten im Hintergrund beinahe freundlich erscheinen. Sie steht da, wie ein Engel, der sich bereit macht, um in die Welt da draußen hinaus zu fliegen. Ihr langes braunes Haar fällt sanft über ihre Schultern. Das indigoblaue Kleid umschmeichelt jede Kurve ihres perfekten Körpers. Sie sieht mich nicht an und wird es auch niemals tun.

Ich blicke stumm auf mein Smartphone. Ihr Foto vor mir. Sie ist nicht hier und wird es niemals sein.

Das blaue Licht des Bildschirms erhellt mein Gesicht und die Träne, die mir langsam über die Wange läuft. Ich könnte das Bild noch stundenlang, in stiller Sehnsucht, betrachten.

Aber ich drücke den Ausschaltknopf des Handys und im Zimmer wird es wird finster. Die Dunkelheit beginnt langsam in mich einzudringen.

So liege ich zusammen gekauert in meinem kalten Bett, wo wieder eine schlaflose, leere Nacht auf mich wartet.

Eine weitere, von so vielen.

© Florian Hauenschild