Treffen mit einem Idol

  • 352
Treffen mit einem Idol | story.one

Endlich ist es soweit. Das Voodoo Jürgens Konzert in der Arena. Die Karte habe ich von meinem Neffen zum Geburtstag bekommen. Seit diesem Tag haben wir wie die Kinder auf den Auftritt hingefiebert. Nun war es soweit.

Julian holt mich von der Firma ab und hat ein paar Bier für mich organisiert. Feiern ist angesagt. Wir rasen nach Wien, checken im Hotel ein und sausen auch schon zur Arena. Wir sind viel zu früh da. Also genehmigen wir uns noch ein Hopfenkompott im Beisl nebenan. Dann stellen wir uns an. Der kalte Wind pfeift uns um die Ohren. Aber das macht nix. Hauptsache weit vorn. Das haben wir dann auch geschafft. Zweite Reihe. Perfekter Blick auf die Bühne. Nach einem weiteren Bier und der Vorband betritt der Mann des Abends mit seiner "Ansa Panier" die Bühne.

Voodoo beginnt seine Geschichten zu erzählen. Von Strizzis, an buamavazahratn Madl und davon dass de Leid a Aungst haum. Irgendwann grobta Tote aus und erklärt, dassma erm ned mit de gfäudn Schmäh kemma braucht. Immer begleitet von der genialen "Ansa Panier". Dann steht er plötzlich alleine auf der Bühne. Fotzhobel im Mund, Gitarre in der Hand und Parisienne im Bund. Wir erfahren von an braadn Weg und dass a gscheida Bua, an Feidl und a Schnua braucht. Den Abschluss gibt er noch einmal mit der gesamten Band. Sein Hit über seine Heimatstadt Tulln, die zwischen Zuckerbude und Kadaverfabrik liegt. Und dann war's aus. Leider viel zu früh.

Sollte man meinen, wenn man nicht so einen unberechenbaren Typen wie meinen Herrn Neffen dabei hat. Als das Licht angeht und die Zuschauer die Arena verlassen, ruft er einem der Securities zu: "Heast, kaunst du bitte frong, ob die Alicia kurz rausschaun kau? Mia waradn aus ihrer Gegend!"

Und tatsächlich steht wenige Augenblicke später Alicia Edelweiß, die Harmonikaspielerin der Band vor uns. Wir plaudern, tauschen ein bisschen Tratsch aus dem Nirgendwo aus und dürfen noch Fotos mit ihr machen.

Draußen an der Bar trinke ich dann noch ein Bier als ich plötzlich sehe, dass Julian den Schlagzeuger der Band durch die Gegend trägt. Ich glaube, ich bin im falschen Film und gehe dazwischen. Aber alles easy. Und so quatschen wir dann noch mit dem Rest der Gruppe. Überwältigt von so vielen Ereignissen auf einmal, gehe ich hinaus eine rauchen. Plötzlich steht Voodoo neben mir. Auch mit ihm dasselbe Spiel. Quatschen, rauchen, Fotos machen.

Dann geht er wieder hinein. Wir bleiben draußen. Ich umarme Julian mit den Worten "Geilstes Geschenk ever!" bevor wir uns in eine wilde Wiener Nacht hauen.

Irgendwann werde ich im Hotelzimmer wach. Die Zunge fühlt sich an wie ein Biberschwanz. Julian ist schon voll motiviert auf das Frühstück. Ich versuche mich halbwegs zu fangen. Auf meinem Handy sehe ich die Fotos der letzten Nacht. Scham steigt in mir auf. Da trifft man eines seiner Idole und war dabei fett wie ein Radierer. Als mich mein Neffe kopfschüttelnd vor dem Display sieht, klopft er mir auf die Schulter: "Scheiß di ned au. Geil woas!"

Ich nicke. Wo er recht hat, hat er recht.

© Florian Hauenschild