Yeah! Yeah! Yeah!

Meine Firma hat mich nach Wien geschickt, um an einem Seminar teilzunehmen.

Als der erste Tag vorbei war, lag ich auf dem Hotelbett. Da es kein Abendprogramm gab, kam mir der Gedanke, dass ich doch schauen könnte, wer heute im Stadtsaal auftritt.

Und BUMM! LOTTOSECHSER!

Molden, Soyka, Wirth, Resetarits.

Ich kippte fast vom Bett. Ernst Molden. Mein großer Held des aktuellen österreichischen Liedguts. Walter Soyka der Virtuose an der Knöpferlharmonika. Hannes Wirth der Gott an der E-Gitarre. Und dann noch die Legende Willi Resetarits.

In Rekordzeit schlüpfte ich in meine Stiefel und lief zum Bus, um es noch rechtzeitig zu schaffen. Im Bus rief ich im Stadtsaal an, ob ich noch eine Karte frei wäre.

Die Frau meinte typisch wienerisch: "Najo, wauns auzaan."

Ich kam rechtzeitig zum Stadtsaal und hatte noch genügend Zeit um beim Merchandise Tisch ein Buch zu kaufen. Der Verkäufer meinte noch: "Sie sehen aber ganz schön gehetzt aus!"

Ich erzählte ihm meine Geschichte. Er lachte und erzählte mir, dass er ein Freund der Band ist und wie er diese kennengelernt hatte. Dann fragte er mich: "Wo kommen Sie eigentlich her?" Ich versuchte ihm das auszuloten. Kleines Fischerdorf in der Nähe von Amstetten.

"Amstetten?", unterbrach er mich.

Ich nickte.

"Da ist doch der Charly, der Manager vom Ernst, her!", erklärte er mir.

Wieder nickte ich: "Weiß ich."

"Die Welt ist ein Dorf", meinter der nette Herr noch.

Dann läutete die Klingel. Ich verabschiedete mich, suchte meinen Platz und freute mich auf den Beginn des Konzerts.

Und dann ging's los. Die vier Musiker betraten die Bühne und spielten ein großartiges Programm. Nach zweieinhalb Stunden hatte ich beinahe alle meine Lieblingssongs endlich live gehört.

Glückselig ging ich aus dem Saal. Der Mann vom Merchandise Stand winkte mir zu: "Geh mal eine rauchen und komm dann wieder, wenn die Leute weg sind."

Gesagt, getan. Ich stand draußen, rauchte nervös eine Zigarette und wartete, dass der Großteil der Zuschauer sich in die Nacht verteilte.

Als ich wieder drinnen war, drückte mir der Mann ein Konzertplakat in die Hand: "Der Ernst raucht noch aus, dann kommt er nochmal, falls du ein Autogramm willst!"

Ob ich ein Autogramm will? OB ICH EIN AUTOGRAMM WILL?!?

Ich muss wie ein Geisteskranker ausgesehen haben, so breit war mein Grinsen.

Und tatsächlich. Da kam noch einmal Ernst Molden und er signierte Buch und Plakat. Plötzlich erschien der Rest der Band.

"Jetzt oder nie!", schoss es mir durch den Kopf.

"Herr Molden, wäre ein Foto mit Ihnen und der Band noch OK?", fragte ich.

Ernst Molden meinte nur lässig: "Sicha. Kumm auffa auf de Bühne!"

Eine Bekannte der Künstler, die noch da war, machte Fotos von uns. Ich bedankte mich und ging zum Bus.

Wieder im Hotel schickte ich das Foto meinen Freunden und meiner Schwester, die nicht schlecht staunten.

Vom Schlafen konnte nicht die Rede sein. Deswegen warf ich mich ins Bett und hörte zur Feier des Tages das passende Lied von Molden/Resetarits/Soyka/Wirth

"YEAH! YEAH! YEAH!"

© Florian Hauenschild