Musik berührt

  • 176
Musik berührt | story.one

Besondere Momente verdienen eine besondere Umgebung. Wie ein Konzert von vier Orchestermusikern im Garten eines fürstlichen Jagdhauses im Zillertal.

Angenehme Temperaturen. Blauer Himmel. Und kein einziges Anzeichen für mögliche Gewitter. "Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Garten für dieses Konzert zur Verfügung stellen dürfen", meinten die Gastgeber Alexander und Teresa an einem wunderbaren Samstagnachmittag in Ginzling. Auch ich und die Veranstalter konnten erleichtert aufatmen.

Mit dem Flötenquartett in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart eröffneten vier Freunde einen ganz speziellen Nachmittag im Bergsteigerdorf.

Dass der Tuxer Daniel Tomann-Eickhoff an der Querflöte, dessen Ehefrau Christina an der Bratsche sowie Waldo Ceunen - ebenfalls an der Querflöte - und Christoph Rocholl am Cello an einem ganz speziellen Ort im Zillertal spielten, war ein glücklicher Zufall. Ein Jahr zuvor war ich zu einem Interview bei Matthias, dem Vater des Grafen. Zum ersten Mal sah ich das Haus und den Garten. Sofort dachte ich an eine mögliche Veranstaltung. Und es sollte tatsächlich klappen. Als Kulturverein SchwindelFREI durften wir zum Gartenkonzert einladen. Mit Musikern vom NDR Elbphilharmonie Orchester in Hamburg und vom Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck. Tourneen führen sie sonst oftmals in fremde Länder und in große Städte. Und dieses Mal eben nach Ginzling.

Die Atmosphäre im Garten versprühte eine Art von Nostalgie.

Schloss man die Augen, dann sah man den Baumeister bei der Errichtung dieses beeindruckenden Bauwerks in der Wiege des Zillertaler Alpinismus. Sämtliche Materialien wurden von Mayrhofen nach Ginzling getragen. Obwohl Pferdefuhrwerke bereits in Verwendung waren. Fürst Franz Josef von Auersperg hatte in den späten 1910er-Jahren den Auftrag zum Bau des so genannten "Fürstenhauses" gegeben. Er wollte die Menschen bestmöglich beschäftigen. Er war für seine besonders soziale Haltung, zum Beispiel mit Brandbriefen an Industrielle, bekannt. Ehemalige Wilderer - die nur auf diese Art ihre Familien ernähren konnten - stellte er in Ginzling als Jäger an. Während er und seine Jagdgäste sich über die Trophäen freuten, ließ er das Wildbret unter den Menschen im Dorf aufteilen. Und er wollte das Leben der Menschen erleichtern. Die Kinder sollten zur Schule gehen. Diese besuchte auch Graf Matthias, der Vater von Alexander. Er wuchs mit den Ginzlingern auf. Ohne Blick auf Herkunft oder gesellschaftlichen Status. Das Fürstenhaus war ein beliebter Treffpunkt. Sogar Tanzkurse gab es dort. Urlaubt Graf Matthias heute mit seiner Frau Amelie dort, dann unterhält er sich noch heute im Zillertaler Dialekt.

Auch der junge Graf und seine Frau sind gerne im Bergsteigerdorf. Der Umgang mit den Menschen ist offen und herzlich. Das war an diesem Nachmittag spürbar. Es waren Momente, die berührt haben. Es war sehr schön. Es hat uns sehr gefreut.

© Florian Warum 03.07.2019