Polenta verbindet

Ein Fest nur für jene, die schon lange nicht mehr in ihrem Heimatdorf leben, ist in einer stressigen Zeit wie heute wohl eine Seltenheit.

Mit umso mehr Passion organisieren ehemalige "Poschiaviner" Jahr für Jahr "ihr Fest" unterhalb des Bernina-Passes. Um sich mit jenen zu treffen, die dem 2.000-Einwohner-Ort nach wie vor die Treue halten.

"Bun di" wünscht mir Luca auf rätoromanisch einen guten Tag. Der Sohn von Mariaangela, einer guten Freundin, ist der Mastermind des "Pulenta Cavaia". Dessen Erfolgsgeheimnis gründet einzig und allein auf einer einfachen wie wohlschmeckenden Spezialität von Poschiavo. Polenta.

An diesem einen Tag werden rund 50 kg Maismehl zu Polenta verkocht. Dazu gibt’s Käse, Kartoffeln, sauer eingelegtes Gemüse und einen saftigen Huftschinken vom Schwein. Vom Knochen gelöst wird dieser zuvor mariniert, in Alufolie gewickelt und auf der Holzglut in einem Erdloch in der Nähe des Gletscherbaches über mehrere Stunden geköchelt.

Während sich die Erwachsenen um ihre Portion (es können auch mehrere Portionen sein) Polenta anstellen, genießt die jüngste Generation von Poschiavinern die einzigartige Atmosphäre im Wald. Sie spielen verstecken, laufen im Wald herum, singen und musizieren. Zum Essen finden nicht alle Platz auf den Bierbänken. Daher entdecken viele die Qualitäten des Waldbodens, auf dem mittlerweile auch viele Platz genommen haben. Zum Nachtisch gibt’s "Pulenta nero", also schwarzen Polenta. Das ist Buchweizengrieß, der mit Rosinen verfeinert wird. Außerdem haben viele der Festbesucher selbstgebackene Kuchen mitgebracht.

Alle zusammen feiern "ihr Fest". Sie genießen den Tag und lassen sich diesen von einem heftigen Regenguss auch nicht verdrießen. Im Gegenteil: Sie freuen sich alle schon auf das nächste Jahr. Und das nächste "Pulenta Cavaia".

© Florian Warum