Unterwegs im Lande Abrahams

Bevor ich das pulsierende Leben beim Büchermarkt in der Al Muttanabbi Straße von Bagdad erleben durfte, war ich tags zuvor zu offiziellen Terminen eingeladen. Das Resultat jahrelanger Netzwerkarbeit.

"Sabahu l' hayr" begrüßte mich Zaid Al-Ani, ein Mitarbeiter im irakischen Außenministerium vor dem Eingang zum Bagdad Hotel. "Sabahu nuur" antwortete ich ihm. Zaid war gekommen, um mich zu Gesprächsterminen abzuholen. Thema war die Rekonstruktion der GOLDENEN LYRA VON UR. Durch die Straßen der irakischen Hauptstadt ging's zuerst ins Außenministerium.

"Es freut uns außerordentlich", sagte der Deputy Minister, "dass sich Menschen aus der Zivilgesellschaft für die Geschichte unseres Landes interessieren und zerstörtes Kulturgut rekonstruieren. Sogar Menschen außerhalb des Irak". Die Freude war auch meinerseits sehr groß. Schließlich dürfte es sehr selten passieren, dass Zivilisten Gespräche mit höchsten offiziellen Vertretern eines Landes führen dürfen. Es war eine sehr gute und herzliche Unterredung. "As salam aleykum", verabschiedete ich mich vom stellvertretenden Außenminister.

Anschließend empfing mich Major Mohannad im International Iraqi Museum. Ich kannte es bisher nur von Bildern. Jetzt stand ich am Eingang. Und wenige Augenblicke später fand ich mich in eine Zeit lange vor heute zurückversetzt. Ich hab Ausstellungsstück aus der Zeit der Babylonier, Sumerer und Akkader gesehen. Der Rundgang durch die Sammlungen des Museums konnte aber nicht zu lange dauern. Der nächste Termin wartete nämlich schon. Es war der Deputy Minister des Kulturministeriums. Ein weiterer Höhepunkt dieses Tages mit sehr motivierenden Ergebnissen.

Einer der Restauratoren, Herr Fameer, führte mich anschließend in die Katakomben des Museums. Er und sein Team stecken in den Werkstätten sehr viel Liebe zum Detail in die Exponate. Wie angesehen Herr Fameer ist, verriet die Reaktion der Generaldirektorin des Museums. Sie war an diesem Tag eine weitere Gesprächspartnerin.

Alle drei - mit Herrn Fameer waren es sogar vier - zeigten sich von einer europäischen Initiative zutiefst beeindruckt. Speziell berührt waren sie davon, dass Menschen aus verschiedenen Nationen und Religionen die älteste Harfe der Menschheit nachbauen. Gespannt erwarten sie schon jetzt die Rückkehr der Lyra nach Fertigstellung.

Dann soll die Lyra wieder das wichtigste Exponat im Museum sein. Im Land von Abraham. Dem Stammvater der drei monotheistischen Weltreligionen. In der Wiege der Zivilisation. Wo einst wichtige Kapitel in der Geschichte der Menschheit geschrieben wurden.

© Florian Warum