#leidenschaft #schwedenistanders

Aurora Borealis

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Aurora Borealis | story.one

Dieses ewige Scharren und Verscharren des Geldes. Diese Knechtschaft der Uhren und Kalender. Ich bin es leid.

Hätte das Leben keinen Preis mehr, ich wollte mir trotzdem wenig nehmen. Den Champagner und die Paläste überlasse ich den Kleingeistern. Ich will nur ein warmes Bett auf Rollen, damit ich zu einer Quelle fahren kann.

Vielleicht einen VW Bulli, angestoßen und zerkratzt mit sonnenbleichem Lack. Der wird mir gut stehen, wir haben den gleichen Charme. Doch lieber noch einen Offroader, vielleicht einen Hanomag, der vom Weg abkommen darf.

Mit ihm will ich gegen Norden ziehen, dorthin, wo es rau und wild ist. Sollen andere in der Sonne brennen. Ich möchte die Nadeln des Eiswindes in meiner Haut spüren.

Langsam werde ich fahren und bedächtig. Die kleinen Straßen suchen und die kleinen Orte. Jeden Tag nur ein kleines Stück, damit ich mich umschauen kann. Überall werde ich nach den Menschen mit den leuchtenden Augen suchen, um ein wenig zu plaudern. Es wird mir recht sein, was sie sagen. Ich will nur hören, wie sie es sagen. Ja, das Wetter ist schön, die Ernte wird gut, und schau, das freut mich.

Immer werde ich Ausschau halten nach dem verlorenen Hund, der einsam durch die Gegend irrt. Ich werde gut zu ihm reden. Werde ihm die Kletten aus dem Fell ziehen, damit er bleibt. Buddy werde ich ihn nennen, weil er die Treue kennt und liebt. Tags wird er die Nase in den Fahrtwind halten und Nachts meinen Rücken wärmen.

Bald wird die Sprache fremd und ich bin zu Hause. Nun werde ich mit den Händen reden. Mit dem Lächeln und den Augen. Denn mehr braucht ein Mensch nicht, um einen anderen zu verstehen, hört er nur genau zu.

So werde ich immer weiter ziehen, hoch hinauf in den Norden, wo die Tage frisch sind und das Bett so warm, wie es nur in einer bitterkalten Nacht sein kann.

Um dann endlich, nach langer, ruhiger Reise, die eine Nacht zu erreichen, in der ich das Wunder sehe. Ich werde staunen vor dem Lichtspiel der Polarnacht und leise Tränen weinen, weil es mich so ergreift.

Buddy wird spüren, dass etwas Großes in mir geschieht und meine Hand lecken. Wird mir sagen, Freund, du bist nicht allein.

So werde ich lange stehen und mich am Himmel sattfühlen, damit ich es nie vergesse. Dann werde ich Buddy die Seite tätscheln und sagen, komm, wir gehen. Lass uns an die Küste fahren und schauen, ob uns ein Schiff nach Island bringt.

Dort gibt es Wunder, die hast du noch nie gesehen.

© Frank Naujok 05.04.2020

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