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Broken hearts are for assholes

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Broken hearts are for assholes | story.one

Ich wähle "play all" und "shuffle" und lasse die Tracks kommen, wie sie wollen. Songs aus über 30 Jahren, mein Leben in Musik. Irgendwann stehe ich auf, nehme eine Tasse in die Hand und trage sie zur Spüle. Ich räume auf. In meiner Wohnung. In meinem Leben. Wische den Dreck aus den Ecken und von meiner Seele.

Mit den Songs kommen die Erinnerungen, die guten und die schlechten. Ich sehe sie in ihrem grünen Kleid und den Abdruck meiner Faust in der Kühlschranktür, höre uns lachen und sehe uns streiten. Dabei gröhle ich mir mit Manson den Hals rau, trauere mit Waits und tanze mir mit Marley das Leben frei.

Dann kommt er. Unter unzähligen Songs gerade dieser. Er schleudert mich durch Raum und Zeit und ich liege wieder mit meinem Kopf in ihrem Schoß, während sie ihn mir vorsingt und mir vor Glück sanft die Tränen aus den Augen fliessen. Jetzt fliessen sie wieder, doch da ist kein Glück mehr. Aber ich halte es aus, klicke den Song nicht weg. Ich ertrage ihn und bleibe dabei in Bewegung. Bewegung ist Leben.

Direkt danach trifft mich Zappa wie ein Vorschlaghammer. Ich schreie mir am Text die Lunge heiss, wüte durch die Wohnung und möchte Welten zerstören. Broken hearts are for assholes. Frank, du alte Saitensau. Vielleicht hast du Recht. Als es vorbei ist fühle ich mich leer, aber auch erleichtert.

Die letzten Handgriffe erledige ich mit den Blues Brothers und dann ist alles getan. Alles an seinem Ort, der Schmutz entfernt. Ich stelle die Musik ab und die Stille drückt auf meine Ohren. Am Fenster stehend atme ich ganz langsam ein, bis die Brust spannt. Dann lasse ich los und mit dem Atem lasse ich sie gehen.

Ein Ende ist auch immer ein Anfang. Es wird Zeit für neue Musik.

© Frank Naujok 05.04.2020

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