Abenteuer Atacama

Wie ein riesiger blendender Spiegel liegt er da. In allen Himmelsrichtungen verliert sich der Horizont in der Ferne. Unter unseren Füßen eine über zehn Meter dicke, in der Sonne gleißende Salzkruste. Als einst der prähistorische Salzsee austrocknete, blieb die Salzwüste des Salar de Uyuni auf dem Altiplano Boliviens zurück. Mit 160 km Länge und 135 km Breite ist er der größte Salzsee der Erde.

Nur Salz, soweit das Auge reicht. Kein Wunder also, wenn auch die kleine Unterkunft mitten auf dem Salar aus Salz besteht, die Mauern, die Stühle, die Betten. Nur das Dach ist aus Stroh. Und plötzlich steigt mir ein stechender Geruch in die Nase, Rauch. Das Strohdach brennt. Rasch bringe ich die Kamera und unsere Ausrüstung in Sicherheit. Jetzt gilt es zu löschen, aber wie? Ich packe eine Decke, tauche sie in den Salzbrunnen vor dem Haus und werfe sie wie ein Hammerwerfer auf das Dach, wohin inzwischen unser Fahrer geklettert ist. Er versucht die um sich greifenden Flammen mit meiner nassen Decke zu ersticken. Und diese anstrengende Prozedur wiederholen wir mehrmals, bis die Flammen gelöscht sind.

Es stellt sich heraus, dass der kleine Bub des Hauses mit einer brennenden Kerze über die Leiter hinaufgestiegen ist, um etwas zu holen. Unvorsichtigerweise hat er das Strohdach angezündet. Trotz dieser aufregenden Aktion haben wir im Salzhotel herrlich geschlafen, mit Blick durch das Brandloch im Dach auf den Sternenhimmel.

Am nächsten Tag erwarten uns auf der Isla del Pescado meterhohe und teils mehr als 1200 Jahre alte Säulenkakteen, wie Urweltgewächse aus längst vergangener Zeit.

Um vier Uhr früh brechen wir auf zur höchstgelegenen Vulkanregion der Erde auf 5000 m Höhe, Sol de Mañana (Morgensonne) ist ein etwa 2 km² großes Geothermalgebiet. Hier zischt und brodelt alles. Schlammvulkane und Geysire kochen und spritzen meterhoch in die Luft. Schwefeldämpfe dringen uns in die Nase.

Jetzt kommt es auf die Minute an. Noch liegt die Szenerie im Dunkeln. Hektisch baue ich das Stativ auf und stelle die Kamera ein. Dann blitzen schon die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne über den Horizont und tauchen die fauchenden Schlammvulkane mit ihren golden leuchtenden Dampfwolken in ein überirdisches Licht.

An diesem eisigen Morgen gelingen mir faszinierende Bilder von der magischen Anziehungskraft und einzigartigen Ursprünglichkeit von Vulkanlandschaften, die uns zu den Anfängen unseres Planeten Erde zurückführen, als die feste Erdkruste gebildet wurde.

Mit Stativ und Kamera auf der Schulter balanciere ich über die schmalen Brücken zwischen den Schlammtöpfen. Plötzlich rutsche ich auf dem weichen, glitschigen Terrain aus und falle auf ein kochendes Loch zu. Instinktiv reiße ich das Stativ herum, ramme es in den Abhang und kann mich so für einen Moment festkrallen. Bevor ich weiter abrutsche, packt mich Ulli, meine Frau, die mit dem Mikrofonkabel mit mir in Verbindung ist, am Kragen und zieht mich heraus.

Rettung in letzter Sekunde.

© Franz Herzog