Montag

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Montag | story.one

Montag Morgen. Aufgrund eines Termins komme ich heute später zur Arbeit. Ich laufe um die Ecke und die Tür zu unserem Büro steht offen. Ich gehe hinein und sehe im ersten Moment nur viele Leute. Schon stellt sich mir ein Mann in den Weg und fragt mich sehr bestimmt nach meinem Namen und ob ich hier arbeite. Erst jetzt erkenne im Hintergrund die Männer mit Polizeiwesten und Pistolen. Ich sage wer ich bin und stelle die Frage in den Raum, ob denn eingebrochen worden sei? Nein wurde nicht. Es folgen noch ein paar eindringliche Fragen zu meinen Tätigkeiten. Da ich noch relativ neu bin, scheine ich nicht zur Zielgruppe zu gehören, denn es gibt vorerst keine weiteren Fragen und ich darf mich an meinen Arbeitsplatz setzen. Fragend schaue ich in die Gesichter meiner Kolleginnen und Kollegen, die sichtlich schockiert von der Situation sind. Im hinteren Teil des Büros werden mehrere Mitarbeiter in die Mangel genommen und haufenweise Ordner eingepackt. Computer und Laptops werden hinaus getragen. Eine Szene wie in einem Film, nur dass ich nicht auf meinem Sofa, sondern an meinem Schreibtisch, mitten drin, sitze. Die Buchhalterin wirft mir verschwörerische Blicke zu und die junge Sekretärin des Chefs lächelt mit besorgt aufgerissenen Augen verkrampft vor sich hin. Ich beschließe mir erst mal einen Kaffee zu machen und setze mich wieder an meinen Platz. So lange war ich zwar noch nicht in diesem Laden, aber dass hier einiges nicht ganz koscher war, war mir von Anfang an klar. Bis vor kurzem hatte ich auch ständig versucht auf gewisse Misstände aufmerksam zu machen, stieß aber auf taube Ohren. Es gab Zeiten wo ich mich sehr über gewisse Dinge aufgeregt hatte, ohne jedoch viel verändern oder bewirken zu können. Ich kämpfte gegen Unordnung, Vergünstigungen und Unkorrektheiten, bis ich meine persönliche Grenze erreicht hatte es körperlich wurde. Da zog ich die Notbremse und wünschte mir knurrend vom Universum, dass dieser Kampf gegen Windmühlen nicht umsonst gewesen sei und dass die Dinge nicht ewig so weiter gehen würden. Da ich für nichts Beweise hatte, beschloss ich den Dingen ihren Lauf zu lassen, mich neu zu orientieren und möglichst bald das Weite zu suchen. Der Wunsch, dass die unsauberen Machenschaften ans Licht kämen war trotzdem ungebrochen stark vorhanden. Loslassen, abgeben, vertrauen war mein neues Mantra. Nun saß ich da, mitten in einer Polizeirazzia der SOKO, und war trotz der beklemmenden Situation unglaublich zufrieden. Es hatte sich erfüllt, es gab doch so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit. Die Dinge kamen ans Licht und auch wenn es die Arbeitsplätze meiner Kollegen und meinen kosten wird, so nehme ich das im Namen der Korrektheit gerne in Kauf. Von jetzt an singe ich nur noch: "I´ll tell you why I do like mondays"

© FrauExtrawurst 29.06.2020