Pausengespräche

Ich sitze auf einer Bank im Schulhof, die Sonne scheint heiß herunter und wir ruhen uns nach einem ausgiebigen Mittagessen aus, verdauen, plaudern.

Neben mir sitzen zwei Schülerinnen von weit her, ihr langes schwarzes Haar glänzt in der Sonne und fliegt im Wind um ihre strahlenden Gesichter. Sie sind elf und zwölf Jahre alt und Lernende von der Art, wie sie sich jeder Lehrer und jede Lehrerin wünscht. Freundlich, wissbegierig, klug, emphatisch und bemüht. Die jüngere erzählt aus ihrem Leben, erzählt von der Flucht aus dem Heimatland, von ihrer Unsicherheit, da ihr Asylstatus seit Jahren unklar ist. Sie jedoch weiß ganz klar was sie will: Sie wird Schönheitschirurgin, deshalb strengt sie sich auch besonders in der Schule an, will Englisch lernen und Latein, Biologie und Physik.

Auf dem Fußballplatz spielen einige Jugendliche trotz der Hitze ein feuriges Fußballmatch, sie rufen, johlen, fluchen. An einem Tischtennistisch spielen acht oder neun Kinder Rundlauf und treten sich beinah gegenseitig in die Fersen, da sie gar so dicht gedrängt sind. An den Picknicktische etwas abseits gelegen spielen drei oder vier Jungs auf ihren Handys, unberührt von der analogen Welt um sie herum.

Meine Gespächspartnerin fährt fort: Eigentlich wollte ihre Familie ja nach Deutschland, da hätten sie Verwandte oder Bekannte, genau wisse sie das nicht, dort hätten sie sich gerne schnell ein neues, ein sicheres Leben aufgebaut, nachdem in ihrem Land Krieg herrscht. Doch an der österreichischen Grenze seien sie gefangen genommen worden. Nun wären sie schon seit vier Jahren hier. "Doch, Frau Lehrerin, warum haben sie uns eigentlich festgehalten, wenn sie uns hier doch gar nicht haben wollen?", fragt sie mich, so nebenbei.

Eine Antwort weiß ich nicht, aber die Sonne, das weiß ich sicher, scheint nun nicht mehr so warm und wohlig wie vorher. All die spielenden, lachenden Kinder um mich herum, sie alle haben ihre Geschichte, ihre Frage ohne Antwort, ihr Schicksal ohne Namen. All diese kleinen Menschen, die so viel mehr sind als eine Nummer und eine Note, als kleine Plusse und Wellen, als administrative Tätigkeit und kompetenzorientierte Jahresplanungsziele.

Möge die lehrKraft mit ihnen sein.

© fraufranziska